Autoren im Interview | Anna Moffey

Autoren im Interview | Anna Moffey

Es ist immer wieder spannend zu lesen, wie Schriftsteller den Weg von der Idee bis hin zum gedruckten, oder elektronischen, Buch gehen und auch mal einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Heute möchten wir Euch eine Autorin vorstellen, die dem einen oder anderem bereits aus dem Schreibnacht-Magazin bekannt ist: Anna Moffey, deren Debütroman Nebelring – Das Lied von Oxean Anfang Dezember 2014 erschienen ist. Wir sprachen über die Entstehung ihres Debütromans, Marketing und warum es wichtig ist, seinen Geschichten treu zu bleiben.

Magst Du Dich unseren Lesern ein wenig vorstellen?
In einem Blogger-Barcamp musste ich mich in drei Hashtags vorstellen, das versuche ich jetzt auch: # tagträumerin #katzenkuschlerin #veganerin

Was hast Du bisher gemacht und wie bist Du zum Schreiben gekommen?
Als Grafikdesignerin ist man jeden Tag von kreativen Leuten umgeben, hat verrückte Gedanken und andauernd Tagträume, ohne die Augen schließen zu müssen. Das sind gute Voraussetzungen, um Geschichten auszudenken. Dass meine Eltern beide früher Kunstlehrer waren und jetzt Grafiker (Vater) und Bastelbuchautorin (Mutter) sind, spielt in meiner Autorenentwicklung sicher auch eine große Rolle. Zum Schreiben bin ich gekommen, weil ich gerne Geschichten lese und in mir Ideen heranwachsen, die ebenfalls zwischen zwei Buchdeckeln ihren Platz finden wollen.

Wie ist Dir ganz am Anfang die Idee zu „Nebelring“ gekommen? Wie lange ist das jetzt her?
Die Idee, dass ein seltsamer Nebel die Welt umhüllt, kam mir schon vor zehn oder zwölf Jahren. Damals habe ich über den Messenger ICQ mit einem guten Freund Fortsetzungsgeschichten geschrieben. Dort habe ich zum ersten Mal den Nebel reingebracht. 2007 gab ich dem Nebel seine eigene Geschichte und habe angefangen, den Roman zu schreiben.

Wie hat sich die Geschichte seitdem verändert? Welche Einflüsse spielen in die Geschichte von „Nebelring“ mit hinein?
Aus der ursprünglichen Geschichte ist kaum etwas so geblieben, wie es zu Beginn war. Es ist auch gut so, ich habe mich mit Nebelring entwickelt, habe gelernt, dass nicht nur ein roter Faden wichtig ist, sondern dass man aus diesem Faden auch etwas stricken und sticken kann, dadurch bekam der Roman mehr Tiefe. Während der vielen Jahre habe ich mich intensiv mit dem Schreiben beschäftigt und kann in den vielen alten Manuskripten zu Nebelring die Entwicklung sehen. Aber auch Träume, Filme, Bücher, Tanz und die Menschen in meiner Umgebung haben die Geschichte beeinflusst.

Wo lag Deine Priorität bei der Vorbereitung: bei Charakteren, Setting oder Plot?
Als ich angefangen habe zu schreiben, hatte ich von diesen Dingen keine Ahnung. Ich hatte es aber automatisch angewandt. Ich nannte es chronologische Gliederung. Sie ging zunächst über drei Seiten, hat sich aber mit der Zeit auf 100 Seiten erweitert. Charakterbögen habe ich auch unzählige erstellt, bis ich meine Figuren auswendig kannte.

Gabe es Momente in der Entwicklung und beim Schreiben von „Nebelring“ wo Du stecken geblieben bist oder eine Schreibblockade hattest? Wie hast du Dich dort heraus manövriert?
Es gibt unzählige Momente, in denen ich einfach nicht weiter wusste. Das passierte einmal im Jahr und dauerte mehrere Monate, in denen ich einfach nicht schreiben wollte, oder keinen Sinn mehr sah, Autorin werden zu wollen. Damals hatte ich aber auch nicht alle wundervolle Unterstützung der Autoren, die ich heute habe. Die Gespräche mit Gleichgesinnten haben jeden Zweifel weggefegt und seit dem kann ich jeden Tag schreiben und habe eine starke Sucht entwickelt.

Wie bist Du an die Überarbeitung des Manuskripts herangegangen? Hast Du ein professionelles Lektorat beauftragt oder auf Freunde und Bekannte zurückgegriffen?
Zunächst habe ich sieben Testleser beauftragt und es bereut, denn das Testlesen hatte sich unendlich hinausgezögert. Dabei hätten zwei vollkommen gereicht, denn im Grunde waren sich alle Testleser einig, wo meine Schwächen und Stärken lagen. Später habe ich Isabell Schmitt-Egner den Roman zum Korrektur lesen gegeben, dabei habe ich selbst einiges für spätere Geschichten gelernt.

Das Cover Deines Romans wurde von Dir kreiert, und mit Bookdresses bietest Du auch anderen Autoren diesen Service an. Wie bist Du zum Coverdesign gekommen? Was bereitet Dir mehr Freude: das Schreiben oder das Designern von Buchcovern?
Der Wunsch, Geschichten mit Illustrationen und Fotomontagen zu erzählen, hatte ich schon lange vor meiner Ausbildung zur Grafikerin. Als ich dann immer mehr Autoren kennengelernt habe, wusste ich, dass Coverdesign das ist, was ich gern machen will. Sowohl das Schreiben, wie auch Designern sind mir gleich wichtig. Oft muss ich mich zwischen beiden Sachen entscheiden und werfe eine Münze.

Warum hast Du Dich für den Weg des Self-Publishing entschieden?
Ich finde den Prozess, wie ein Buch vom Autor zum Leser gelangt faszinierend und wollte unbedingt alles selbst machen. Heutzutage gibt es so viele Möglichkeiten dafür. Außerdem wollte ich unbedingt mein eigenes Cover designen. 🙂


Self-Publisher sind auf ein erfolgreiches Marketing.Konzept angewiesen. Wie viel Zeit investierst Du ins Marketing? Organisierst Du alle Kanäle/Aktionen selbst oder überlässt Du auch mal den Profis das Feld?

Marketing ist nicht einfach, das merke ich immer wieder. Seit mein Roman erschienen ist und auch Wochen davor, habe ich viele Varianten des Marketings kennengelernt, die absolut nichts bringen, diese aber dennoch von so vielen betrieben werden. Zum Beispiel das Posten in Werbegruppen, das bringt überhaupt nichts, da dort jeder seine Werbung ablädt und die Benachrichtigungen deaktiviert. Weil es nicht so einfach ist, ist man gezwungen, kreativ zu werden. Ich habe noch einige Ideen für Nebelring und bereitete auch im Moment einiges vor.

Woher beziehst Du Dein Wissen über Vertrieb und Marketing? Hast Du einen Tipp für angehende Self-Publisher, wie sie an dieses Thema herangehen können?
Ich bin zwar ungeduldig, aber was das angeht, nehme ich mir viel Zeit, um mich in dies und jenes einzulesen, das habe ich schon immer gemacht. Es gibt Leute, die lesen, machen aber nichts, andere wiederum machen und lesen dann, wie es richtig geht. Ich bin wohl irgendwas dazwischen. Ich lese, probiere aber auch vieles aus. Man muss seine eigene Mitte finden und Sachen ausprobieren, die zu einem passen. In vielen Ratgebern steht, dass man sich auch für andere Dinge begeistern soll, aber ich finde, man darf nicht verkrampfen. Wenn man sich zu etwas zwingt, wird das nix. Aber irgendetwas muss man machen! Von nichts kommt nichts.

Woher nimmst Du Deine Ideen? Suchst Du gezielt nach Inspirationen oder kommen sie von ganz alleine?
Das ist unterschiedlich. Viele Ideen kommen mir im Traum, aber sie sind dann so verwirrend, dass ich mich erst hinsetze und die Teile herauspicke, aus denen man was machen kann, den Rest vergesse ich gleich wieder, vielleicht kommt es später etwas reifer wieder zu mir zurück. Andere Ideen begegnen mir auf der Straße, im Alltag. Auf einige muss ich regelrecht warten, aber ich nutze die Zeit, um die Inhalte, die ich schon habe, in Geschichten umzuwandeln.

Wie organisierst Du Deinen Schreiballtag? Bist Du ein Autor, der Chronologie und Schauplätze als Grundgerüst vorab plant? Oder gehen Schreibprozess und Organisation bei Dir fließend ineinander über?
Ich plane ein Grobgerüst, halte mich aber meist nur ein wenig daran, denn dieses hat noch so viele Lücken, dass beim Schließen dieser, neue Ideen entstehen, wie ich die Geschichte noch erzählen kann. Oft schreibe ich verschiedene Szenen zu einer einzigen Begebenheit und wähle die, die am besten passt.

Was ist für Dich in einer Geschichte am wichtigsten?
Die Idee. Ich mag Geschichten nicht, die zwar eine großartige Idee haben, sie aber aufgrund vom Buchmarkt gegebenen Trends mit diesen auch überlagern.

Wer sind Deine Vorbilder? Sind sie nur aus der Literatur, oder bewunderst Du auch Menschen in anderen Lebensbereichen?
Es gibt keine einzige Dimension, in der ich genug Finger hätte, um aufzuzählen, wen ich alles bewundere. Es sind berühmte Menschen, aber auch diejenigen, die im Schatten der durchschnittlichen Bevölkerung wandern. Manchmal kenne ich nicht einmal die Namen dieser Menschen, aber ihre Taten bringen mich in Erstaunen oder rühren mich zu Tränen. Oft sind es diejenigen, die die Welt verändern, oder sie verändern wollen und Mut und Stärke an den Tag legen, die uns anderen fehlt.

Woran arbeitest Du gerne? Was können wir als nächstes erwarten?
Derzeitig schreibe ich an Nebelring 2, aber mache mir auch Notizen für eine eher ernstere Geschichte, die ich beginnen möchte, solange meiner Testleser zu tun haben. Viel möchte ich noch nicht verraten, nur dass dort ebenfalls Magie eine zentrale Rolle spielen wird, nur nicht so wie man es vielleicht kennt.

Welchen abschließenden Rat würdest Du unseren Lesern mit auf den Weg geben?
Die Autoren sollen ihrer Geschichte treu bleiben und nicht etwas schreiben, was der Trend vorgibt. Ich weiß, in den meisten Schubladen liegen Plots und Gedanken, die vielleicht im Moment nicht massentauglich sind, aber wer weiß das schon? Vielleicht seid ihr es, die den nächsten Trend schaffen. Wäre das denn nicht einen Versuch wert?

Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für dieses Interview genommen hast, Anna.

Anna Moffey: Nebelring – Das Lied von Oxean

„Wahre stets dein Gesicht.“ Zoe Craine kennt ihren Vater nicht, obwohl sie ihn jeden Tag sieht. Er ist krank und in einem Traumzustand gefangen, aus dem heraus er seine Umgebung nicht wahrnimmt. Der Gründer der umstrittenen Organisation namens Nebelring hat ihn mit der neuen, auf Malwee-Substanz basierenden Silbermagie gefährlich vergiftet. Eine Heilung gibt es bislang nicht  und doch ist es genau das, was Zoe sich ersehnt. An ihrem sechzehnten Geburtstag vertraut sie diesen Wunsch ihrer Geburtstagskerze und den Freunden ihres Vaters an und ahnt dabei nicht, dass sie sich direkt in einen Aufstand gegen den Nebelring wünscht.

Anna Moffey ist eine Fantasy-Autorin, Illustratorin und Grafikdesignerin aus Chemnitz. Nebelring – Das Lied von Oxean ist ihr Debütroman und der Auftakt der Nebelring-Reihe. Mehr über die Autorin: Blog | Facebook | Twitter

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