Der Internetverlauf eines Autors

Veröffentlicht von Bianca Thomahsen am

Er kommt in sein Büro rein, macht den PC an und richtet sich ein. Heute würde er wieder eine Menge Daten analysieren müssen. Er gab seine Login-Daten ein und legte los. In seinem Programm wurden schon wieder unzählige Beiträge angezeigt, die er alle abarbeiten musste. Sein Job bestand darin, zu sehen, ob das, was die Leute im Internet suchten, gefährlich war oder harmlos.

„Schwimmen Leichen oben?“ – uninteressant.
„Wo parkt der Generalbundesanwalt?“ – kurz nachgeschaut, wer das wissen möchte – uninteressant.
„Wie löse ich am besten eine Leiche auf?“ – schon wieder.

Mittlerweile kennt er die gängigen Anfragen schon, denn er beobachtet hauptsächlich Autoren. Und was die sich für Dinge zusammen suchen, davon kann er selbst ganze Bücher schreiben. Seine wichtigste Aufgabe dabei: Herausfiltern, wer doch kein Autor ist. Denn böse Menschen könnten sich ja auch nur tarnen. Auffällig unauffällig. Da hatte er auch schon einiges gesehen.

Wenn dann jemand nach bestimmten Ritualen sucht im Zusammenhang mit Kannibalismus, Rezepten und der generellen Zubereitung von Menschen, da muss er auch schon einmal genauer hinsehen.

Oder diese eine Autorin, die Brandbeschleuniger aus Haushaltsmitteln machen wollte. Hinzu kamen diverse Recherchen über die Herstellung von Bomben und welcher Sprengstoff wie am besten wirkte. Da musste er schon weit suchen um genug Beweise zu haben, dass diese Frau nicht wirklich etwas in die Luft jagen wollte.

Als noch jemand danach suchte, wie lange es dauert um einen Menschen zu häuten, waren diese Autoren wohl endgültig auf der Watchlist gelandet. Seine Vorgesetzten waren da ganz strikt, er sah aber tagtäglich, dass die Autoren zu den harmlosesten recherchierenden Leuten gehörten.

Bei der Suche nach dem Chloroform Shop 24 mussten dann sogar die Vorgesetzten lachen. Hätten sie doch mal gut gewusst, dass diese Anfrage ganz ernst gemeint war….

Wer kennt es nicht?

Wir Autoren suchen wirklich oft nach den absurdesten Dingen im Internet. Dabei möchten wir uns lieber nicht vorstellen, was die Leute denken, die irgendwann vielleicht unseren Suchverlauf nachschauen. Aber ob Autoren wirklich so schnell auf einer Watchlist landen? Spätestens wenn klar ist, dass es Autoren sind, die da irre Anfragen stellen, sollten sie doch wieder von der Liste gelöscht werden, oder? Vielleicht sitzen bei der NSA auch ein ganzer Haufen deutschsprachiger Analysten, die sich lachend gegenseitig die Anfragen zeigen und froh sind, dass niemand auf die wirklich krassen Seiten gestoßen ist.

Im Forum wurden schon die Top 100+ Suchanfragen gesammelt, wegen denen wir garantiert von der NSA beobachtet werden. Fallen euch noch mehr Dinge ein? Glaubt ihr, dass wir wirklich alle beobachtet werden, für den Fall dass wir gefährlich werden könnten? Oder macht ihr euch da keine Gedanken drüber?

 


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