Meet the Schreibnacht-User: Interview mit NelaNequin

Meet the Schreibnacht-User: Interview mit NelaNequin

Kennt ihr NelaNequin im Forum schon? Nein? Dann wird es Zeit! Für das Schreibnacht-Magazin habe ich Alex allerlei Fragen gestellt – und hier präsentiere ich euch die Antworten.

Alex‘ Alpaka, Copyright by Nela Nequin (Alex Prum).

Hallo! Es freut mich, dass ich dich heute interviewen darf. Magst du dich für unsere Leser:innen zunächst einmal vorstellen?
Hallo. Freut mich auch. 😉
Was gibt es denn so über mich zu sagen? Ich bin Alex. Urban Fantasy Autor und Blogger aus dem schönen Münsterland. Ein absoluter Alpakafanatiker. Und vielleicht ansonsten auch noch: Ich bin nicht-binär und meine Pronomen sind sier/siem.


Urban Fantasy finde ich sehr spannend. Magst du mir vielleicht verraten, wovon dein aktuelles Projekt handelt?
Aktuelles Projekt klingt so, als hätte man nur eins.
Ich schreibe aktuell vornehmlich an zwei Projekten. Das eine ist mein Dauerprojekt Mosaik – eine Geschichte über magische Söldner’innen in Südafrika, die ich als Webserial veröffentliche. Das andere ist 7 Nächte.
7 Nächte ist mehr oder minder ein Remake meines ersten “Romans”, den ich in meiner Jugend geschrieben habe. Allerdings mit deutlich mehr Diversität. Die Geschichte handelt von Christina, die durch ihren Vater, der Monsterjäger ist, ins Visier einiger rebellischer Vampire gerät. Gemeinsam mit ihrem Bruder und dessen Freund flieht sie nach Bukarest, doch als sie auf dem Weg ihre Exfreundin wiedertrifft, die im Zentrum des Konfliktes zwischen Jäger und Vampiren steht, wird alles noch viel komplizierter …


Du hast vollkommen recht, ich arbeite auch meist an vielen verschiedenen Projekten. Es ist immer interessant zu schauen, welche Geschichte ich gerade priorisiere. Manchmal gibt es Themen, die mich besonders beschäftigen. Hast du das auch – und wenn ja, magst du uns etwas darüber erzählen?
In 7 Nächte geht es letzten Endes zentral auch um einen Konflikt zwischen jung und alt und zwischen progressiven Ideen und konservativer Religionsauslegung. Die Jäger sind eine kirchliche Institution und es ist kein Zufall, dass die meisten Vampire – jedenfalls auf der Seite meiner Held’innen – in der Geschichte queere Identitäten haben.
Vor allem bemühe ich mich aber in beiden Geschichten darum, recht viel Diversität einzubringen. Da es etwas ist, das ich selbst gerne lese und gerne häufiger sehen würde. Und wie man so schön sagt: “Be the change you wish to see”.


„Be the change you wish to see.“


Ich finde es auch wichtig, mit gutem Beispiel voranzugehen. Du bloggst ja auch auf Alpakawolken.de über gesellschaftlich relevante Themen. Möchtest du uns einen Einblick in ein Thema geben, das dich auf dem Blog gerade besonders beschäftigt?
Klar, sicher. Als ich mit dem Blog (Alpakawolken.de) angefangen habe, waren mir erst einmal zwei Themen sehr wichtig: Weltenbau und Diversity. Je mehr ich mich aber mit beiden Themen auseinandergesetzt habe, spezifisch auch mit dem Thema mangelnder Diversity in Weltenbau, bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass es vor allem eine Ursache dafür gibt: Kolonialismus und das kolonialistisch geprägte Denken, das bis heute teilweise in unserer Gesellschaft vorherrscht. Daher habe ich aktuell eine Reihe mit dem Titel “Dekolonialisierung der Phantastik” am laufen, in der ich koloniale historische Einflüsse auf bestimmte Denkweisen und damit auf phantastische Literatur beleuchte und hinterfrage. In der Hoffnung, dass mehr über das Thema gesprochen wird und vielleicht der ein oder andere auch noch was lernt.


Du widmest dich einem Thema, das bisher insbesondere im deutschen Sprachraum von Autor:innen noch nicht viel Beachtung gefunden hat. Für mich ist dein Blog mittlerweile eine der ersten Anlaufstellen, um meine Privilegien zu hinterfragen und Repräsentation von Diversität als wichtigste Aufgabe in mein Schreiben zu integrieren. Alle Autor:innen haben meist einen Weg, wie sie zum Schreiben gekommen sind. Wieso hast du angefangen zu schreiben?
Danke, das ehrt mich. Ich hatte als Kind mit einer massiven Rechtschreibschwäche zu kämpfen und habe immer Diktate schreiben sollen, um zu üben. Ich habe es gehasst. Dann meinte ein Internetfreund zu mir, ich sollte doch mal diese Ideen, die ich zu Digimon habe, als Fanfiction aufschreiben. Und das habe ich dann gemacht. Ich war etwa 11 Jahre alt und habe mit Digimon als Fanfiction angefangen. Und der Freund hat die Fehler angestrichen, damit ich Rechtschreibung üben konnte.
Ich habe dann die ersten Jahre rein Fanfictions geschrieben, aber mit 14 oder 15 angefangen und einen Vampirroman verfasst. Er war damals sehr schlecht. Ich hatte es letztes Jahr noch einmal gelesen und sagen wir es so: Immer wenn ich in einer Actionszene nicht weiter wusste, ist meine Protagonistin ohnmächtig geworden und als sie aufwachte, war das Problem gelöst.
Aber ein paar gute Ideen waren ja drin, deswegen bekommt es nun ein Remake. Ohne ohnmächtig werdende Protagonistin.


Das ist auf jeden Fall auch eine Lösung für Konflikte. Das muss ich mir merken! Wo wir gerade beim Schreibprozess sind … welcher Teil des Autor:innenlebens macht dir am meisten Spaß?
Ich liebe es zu planen und ich liebe es zu schreiben. Überarbeiten ist meistens etwas, das weniger Spaß macht, weil man schnell mal geliebte Stellen wegstreichen muss und es in der Seele wehtut.
Ich schreibe vor allem gerne Actionszenen und intime Szenen. Intim muss nicht zwangsläufig Sex heißen, sondern kann auch ein Gespräch sein, dass für den Charakter sehr nahe geht.


Ich verstehe dich da. Tiefschürfende Dialoge machen für mich gute Geschichten aus. An dieser Stelle möchte ich den Schritt nochmal zum Schreibnacht-Forum gehen. Was hat dich dazu gebracht, dem Schreibnacht-Forum beizutreten – und warum bist du geblieben?
Ich bin glaube ich über Twitter auf das Forum gekommen und habe mich angemeldet, weil ich ohnehin mal wieder ein Schreiberlingsforum gesucht habe, das idealerweise nicht von rechtsorientierten User’innen überlaufen ist. (Leider hat ein Forum, in dem ich früher viel aktiv war, mittlerweile starke Probleme mit hetzenden User’innen. Da macht es keinen Spaß mehr 🙁 )
Und entsprechend bin ich auch hier geblieben, weil … nun, alles in allem die User’innen-Basis recht angenehm ist.


Ich bin damals auch über Twitter auf das Forum gestoßen. Für mich waren auch die Menschen der Grund, warum ich geblieben bin. Ich hab so viele tolle Menschen online und offline getroffen, die mein Leben sehr bereichern. Neben den Menschen bin ich aber auch wegen der vielen Aktionen hier. Welche Bereiche des Forums frequentierst du am häufigsten? Und bei welchen Aktionen beteiligst du dich im Forum am liebsten?
Ich bin aktuell tatsächlich am ehesten in den Gruppen aktiv, da es da einfach mehr Diskussion zu Themen gibt, die mich persönlich auch betreffen. Ich poste aber nach Möglichkeit auch immer wieder in der Plauderecke oder im Schreibhandwerk, wenn ich dort denn etwas beizutragen habe.
Bei den Aktionen … nun, ich bemühe mich bei der eigentlichen Schreibnacht natürlich teilzunehmen, sofern es mir zeitlich möglich ist. Ansonsten beantworte ich meistens die Montagsfrage. Ich gebe offen zu: So Sachen wie die Schreibabenteuer und Schreibtouren helfen mir persönlich leider weniger beim Schreiben, da ich lieber mein eigenes Schreibtempo habe.


Das kann ich auch verstehen. Die Aktionen sollen ja verschiedene Autor:innen ansprechen – für jede:n ist etwas dabei. Wo wir schon bei unterschiedlichen Bedürfnissen sind. Gibt es etwas an der Schreibnacht, was wir aus deiner Sicht verbessern könnten?
Was mir immer wieder auffällt: Ich weiß nicht so wirklich, wo die Grenze zwischen Schreibhandwerk und Plauderecke steht. Das scheint ineinander überzufließen. Als Cineast wäre ich ja sehr angetan davon, irgendwo über Filme reden zu können – aber so eine Off-Topic Ecke, wo man wirklich über alles reden kann, scheint es nicht wirklich zu geben. Das finde ich etwas schade.


Ich finde es auch manchmal etwas unübersichtlich. Nach fast drei Jahren habe ich letztes Wochenende noch Bereiche gefunden, die ich gar nicht kannte. Irgendwie ist das spannend und merkwürdig gleichzeitig. Um aber auf einer positiven Note zu enden: Gibt es ein schönes Erlebnis oder eine besonders positive Erinnerung, die du mit der Schreibnacht oder Mitgliedern der Schreibnacht verbindest?
Ich habe mich immer wieder gefreut, Mitglieder der Schreibnacht offline, vor allem auf den vielen Litcamps zu treffen. Ich hoffe auch in Zukunft – wenn es denn irgendwann wieder Litcamps und Offline-Treffen gibt – noch viele Leute kennenlernen zu können.


Da geht es mir wie dir! Ich danke dir vielmals für dieses Gespräch, Alex!
Immer wieder gern 🙂


Social Media-Präsenz:

Twitter: KaenKazui
Blog: Alpakawolken.de
Wattpad: NelaNequin
Belletristica: Alex Prum


Edit.

Da hatte sich ein kleiner Fehler eingeschlichen und meine Frage war doppelt gestellt – ich habe Alex‘ Antwort jetzt noch einmal hineineditiert. Verzeiht den Fehler!

One thought on “Meet the Schreibnacht-User: Interview mit NelaNequin

  1. Darf ich mich ein bisschen schämen? Ja? Gut, denn ich wusste bis jetzt nicht, dass Alex hinter NelaNequin steckt 🙁 Das ist besonders peinlich, da ich dich letztes Jahr in Hamburg sogar persönlich kennenlernen durfte. Auf Twitter schleiche ich dir ja schon lange hinterher. Sehr interessantes Interview auf jeden Fall 🙂

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