Rückblick: Die 68. Schreibnacht, oder: #DasGlasKommt ins Forum

Rückblick: Die 68. Schreibnacht, oder: #DasGlasKommt ins Forum

Die 68. Schreibnacht fand am 13. Dezember 2019 statt – und was war es für eine Nacht! Der letzte Autor und Illustrator, dem wir in diesem Jahrzehnt Fragen stellen durften, war Heiko Hentschel, bekannt im Forum als ehemaliges Teammitglied und Montagsfragensteller philbloom. Im August erschien sein Debütroman „Das hungrige Glas“, in dem die Abenteuer des Monsterjägers Moritz ihren Anfang nehmen. Und trotz Heiko Hentschels dauernder Anwesenheit im Forum gab es einen Schwall an Fragen!

Heiko Hentschel hatte bei der großen Fragenvielfalt nicht die Gelegenheit, auf Standartplattitüden zu verweisen, und nahm sich ganz viel Zeit, auf alle Fragen ausführlich zu antworten – was ihm gleich einen neuen Titel eingebracht hat: „König der Schnecken“. Aber jetzt möchte ich euch nicht länger auf die Folter spannen und euch ein paar Highlights verraten – mit Schokolade und Tee im Gepäck, also bedient euch ruhig.

„Das hungrige Glas“ und andere Projekte

„Das hungrige Glas“ war nicht nur Heiko Hentschels Highlight des Jahres (und Autorenlebens), es hat auch viele Leser_innen begeistert. Die Veröffentlichung des Manuskripts ging für Heiko Hentschel mit Überraschungen einher – einerseits durch das niemals endende Lektorat und andererseits durch das Feedback der Leser_innen. Das endet nämlich auch niemals. Hat man sich als Leser_in in Heiko Hentschels Monster erst einmal verliebt, gibt es eine Frage, die Userin Lia auch in der Fragerunde ins Spiel gebracht hat: Wie kommst du auf die Monster? Heiko erklärt es so viel besser als ich es zusammenfassen kann, daher hier ein Teil seiner Antwort: „Das ist eine Mischung aus Folklore (Nachtalb und Werwolf), Monstern, die zur Geschichte und zum Thema passen müssen (Angstgötze und Boogelbies) und dem täglichen Versuch “lustig” sein zu wollen (Scheußlich-schädlicher Schnickschnack).  […] All diese Wesen sind der Geschichte unterworfen und haben sich mir bildlich vorgestellt. […] [Ich] zeichne, um mir die Figuren besser zu vergegenwärtigen. Da kommt oft Unerwartetes bei raus, das ich dann versuche in Worte zu kleiden, denn Zeichnungen waren am Anfang nicht geplant im Buch.“ Wie die Boogelbies entstanden sind und was Arielle die Meerjungfrau mit Heikos Werken zu tun hat, sind Geheimnisse … die ihr im Forum nachlesen könnt. Wir können uns ja nicht ewig mit Boogelbies beschäftigen, fürchte ich. (Okay, ich kann das. Aber könnt ihr das auch?)

Heiko Hentschels Buch „Das hungrige Glas“ und ein von einem Freund hergestelltes Boogelbie. Ich hab das Foto von meinem Blog gemopst, auf dem ihr eine Rezension des Buchs und ein Interview mit Heiko Hentschel finden könnt. Falls mein Schwärmen für das Buch noch nicht genug war 😉

Ein mittlerweile zum Thriller-Kult avancierter Film begründete Heiko Hentschels Wunsch, Geschichten zu schreiben! Wer hätte das gedacht? Da ist es vielleicht gar nicht mehr so überraschend, dass er ein Krimi- und Thrillerfan ist. In diesem Genre ist auch sein nächstes Projekt angesiedelt. Also das, das nach der Glas-Trilogie kommt. Ich bezweifle, dass viele Leser_innen länger als ein Jahr auf die nächsten Boogelbie-Abenteuer warten können … äh, ich meine natürlich Nachschub, was Moritz‘ Abenteuer anbelangt. Genug geschwärmt, weiter geht’s.

Die Muse küsst immer zweimal!

Userin Andrea Weil fragte gleich zu Beginn des Abends, ob Heiko Hentschel all seine Geschichten illustriert. Wer seine Zeichnungen und Illustrationen und das Cover gesehen hat, kommt um die Frage nicht herum. Die Antwort mag aber vielleicht überraschen: „Ich illustriere in meinem stillen Kämmerchen fast alle meine Geschichten. Manchmal sind es nur Skizzen, um mir einen Raum vorstellen zu können, manchmal sind es die Figuren. Ich liebe das. Ich brauche die Visualität, um mich in die Geschichte hineinversetzen zu können und das „Spielfeld“ abzustecken. Wenn dann die Zeichnungen ihren Weg in das Buch finden, ist das natürlich cool. Geplant war das aber im Falle meines ersten Buches nicht. Ich wollte das Cover machen und mehr nicht. Der Verlag trat später an mich heran und fragte nach zusätzlichen Zeichnungen. Da haben sie bei mir natürlich offene Türen eingerannt.“ Wer jetzt neidisch auf das doppelte Talent ist, bekommt von Heiko Hentschel aber gleich eine Weisheit mitgeteilt: „Die Muse küsst gerne zweimal, glaube ich. 100%ig hast du auch noch ein Bonustalent.“ Jetzt bin ich natürlich neugierig – habt ihr auch ein Bonustalent, liebe Leser_innen?

Schreibtipps – von schlechten Filmen und anderen Lerngelegenheiten

Viele Schreibtipps oder Empfehlungen von Schreibratgebern hat Heiko Hentschel nicht, aber er schwört auf schlechte Filme als Möglichkeit, für das eigene Schreiben zu lernen, ohne die Fehler erst selbst machen zu müssen – eine „Win/Win-Situation, von den abgestorbenen Hirnzellen mal abgesehen“, und er hat noch weitere Weisenheiten in petto. Schreibblockaden können Verbündete sein und Figuren dürfen sich auch erst einmal bei Bekannten bedienen. Der Drang, Geschichten zu erzählen, und der Wunsch, sich überraschen zu lassen, sind zwei Dinge, die für Heiko Hentschels Schreibmotivation besonders wichtig sind. Apropos Schreibmotivation, wie sieht’s da bei euch aus? Was ist eure Schreibmotivation?

Die Schreibnacht vor Weihnachten

Die letzte Schreibnacht des Jahrzehnts neigte sich nach all den Fragen (und Heiko Hentschels letzten Antworten kurz vor Mitternacht) dem Ende zu. Trotz der stressigen Vorweihnachtszeit stürzten sich viele Autor_innen auch an diesem Abend in ihre Manuskripte, verwandelten Weihnachtsfeiern in Schreibabende und stürzten sich auf ganz viel Schokolade. So kamen tausende neue Wörter hinzu und es gab einige, die bis in die frühen Morgenstunden geschrieben haben. Somit war auch die 68. Schreibnacht ein voller Erfolg! Und das an einem Freitag dem Dreizehnten!

Das Schreibnacht-Magazin-Team wünscht euch schöne Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahrzehnt!

2 Gedanken zu „Rückblick: Die 68. Schreibnacht, oder: #DasGlasKommt ins Forum

  1. Gute Frage, woher ich meine Motivation nehme. Ein Stück weit ist das Schreiben für mich Flucht vor der Realität. Also der kreative Ausgleich für einen sehr trockenen Job. Zum anderen sind auch viele Geschichten in mir drin, die einfach raus wollen. Teilweise eigene Erlebnisse, teilweise Dinge, die mir andere Leute erzählt haben (und die mein Gehirn dann zu Romanhandlungen weiterspinnt), teilweise Begegnungen mit inspirierenden Menschen.
    Allerdings muss ich auch sagen, dass im allerdunkelsten Winkel meiner Motivation auch noch so ein kleines Trotzmonster (womit wir wieder beim Thema wären) sitzt, das mir zuflüstert: „Du hast dir genug Tritte in den Allerwertesten von Leuten abgeholt, die nicht an dich glauben. Zeig es ihnen. Zeig ihnen, dass sie Unrecht hatten. Dass du den berechtigten Wunsch hast, schreiben zu wollen. Jetzt erst recht!

    1. Ich mag dein Trotzmonster! Und das ist genau die richtige Einstellung: JETZT ERST RECHT! Das ist ein Punkt, aus dem man Motivation ziehen kann. Aber gerade auch deine anderen Punkte – Flucht vor der Realität, Ausgleich für den trockenen Job, kann ich absolut nachvollziehen. Und wenn dich andere Menschen unterstützen, inspirieren und motivieren: super!

      Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinem Schreiben, Marina!

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