Für immer ein Pantser!

Für immer ein Pantser!

Inzwischen ist es sieben Monate her, dass ich mich auf den Weg gemacht habe, ein Plotter zu werden. Im Forum und als Kommentar unter dem ersten Artikel habt ihr eure Erfahrungen und Ideen mit mir geteilt – danke dafür!
Es gab vielfältige Ideen:
Von einem entdeckenden Krimi war die Rede, bei dem nur der Mord stehe und sich der Plot erst entwickeln müsse. Dann von einem Zeitstrahl, bei dem nur für den Anfang, den Mittelteil und das Ende jeweils ein Ereignis stehen könnte. Darüber hinaus gab es immer wieder die Ansicht, dass es reiche, die Geschichte einfach nur zu lieben.
Eine Leserin des Artikels gab mir schließlich einen wesentlichen Hinweis:

„Finde dein Fenster, deine Geheimtür.“

Anemalia

Gemeint war: Wenn das Manuskript aktuell vor die Wand gefahren sei, gebe es Wege hinaus. Immer.

Heute ist der zweite Weihnachtsfeiertag und im Grunde ist mit dem Artikel im Mai für mich ein Advent im Wortsinn losgegangen, ein Weg zu mir und meinem Schreiben.
Mir wurde klar, dass ich für meine Manuskripte gar nicht dem Fixstern „Plotter“ hinterherlaufen muss, um einen funktionierenden Roman zu schreiben. Mein Pilgerpfad muss nicht auf ausgetretenen Wegen stattfinden, sondern kann immer wieder neu und immer wieder anders stattfinden.
Im Vorfeld des NaNo 2019 habe ich an der Online Autorenmesse teilgenommen und viele Gedanken gehört, die mich durch die innere Arbeit damit weitergebracht haben. Ich habe weiterhin Ratgeber gelesen, auf YouTube Tipps für Autor*innen geschaut und mich mit meinen WritingBuddies darüber ausgetauscht, was wie passieren könnte.
Und dann gab es dieses denkwürdige Gespräch mit meiner Plotkomplizin. Sie sagte: „Julie, ich verstehe nicht, wieso du tausend verschiedene Plotstrukturen anschaust und dir Theorien anliest, mit denen du gar nicht funktionierst. Du bist ein Pantser! Schreib einfach!“

Und da war es, das Fenster, das sich für die Erkenntnis öffnete.

Ich begriff, dass ich auf der Suche nach Rezepten gewesen war, wo ich doch intuitiv Dinge richtig machte. Ich wollte sie perfekt machen, statt sie mit Freude zu tun. Mein kreatives Inneres wollte Farben und Jonglagen anstatt eines starren Korsetts, das ich ihm immer wieder aufzuzwingen versuchte.

Damit dann begann ein neuer, kreativer Prozess: Ich pickte mir für mein NaNo-Manuskript genau das heraus, was sich richtig anfühlte!
Da es Band 2 einer Reihe ist, war mir wichtig, mit Charakterbögen zu arbeiten. Die Figuren werden sich sicherlich verändern, aber sie sollten ja noch als sie selbst erkennbar sein. Die Bögen passe ich an, je mehr die Figuren sich entwickeln. Sie sind also nicht nur ein starres Gerüst, sondern ein Werkzeug, was meinen Schreibprozess unterstützt.
Zeitstrahlen sind nur insofern relevant, als dass sie sich beim Schreiben ergeben. Für manche Figuren ist es wichtig, welche Jahreszeit herrscht. Daher ist der Strahl unverzichtbar, jedoch nichts mehr, was ich im Vorfeld einsetzen würde. Ein vorausgeplanter Zeitstrahl stranguliert meine Schaffenskraft. Das habe ich gelernt.
Was-wäre-wenn-Fragen sind für mich inzwischen eine eigene Passion geworden. Meine WritingBuddies werden euch bestätigen können, dass sie immer dann zum Einsatz kommen, wenn ein Manuskript nicht weiterlaufen will – sowohl bei meinen eigenen Manuskripten, als auch bei denen meiner Buddies. Es macht Spaß, viele wirre Dinge in den Raum zu stellen, und zu sehen, wie sie in mir oder in anderen zu arbeiten beginnen. Ich hoffe in diesem Zusammenhang auch immer noch, dass die Antwort auf die Frage „Was wäre, wenn sie ein Lama klauen?“ in einem bestimmten Manuskript auftauchen wird.
Aber du siehst, was ich meine, oder? Diese Fragen können sich auch auf das Tempo beziehen, wenn ein Text zäh fließt („Was wäre, wenn deine Figuren nur zwei Stunden Zeit dafür haben?“).
Das ist definitiv ein erklärtes Lieblingswerkzeug von mir geworden. Vor allem, weil es sich so sehr nach Spiel anfühlt.

All diese Dinge plus die Erweiterung meiner eigenen Inneren Landkarte durch gezielte (Selbst-)Reflexion im biografischen Schreiben führten dazu, dass ich meine Figuren am Ende doch ungeplant in den NaNo 2019 warf. Wie schon beim letzten Mal blieben sie nicht lange allein, alles verwob sich auf wundersame Weise und neue Figuren tauchten auf, die Lücken mit ihrer ureigenen Präsenz füllten, als hätten sie schon immer dazugehört.

Ob ich im nächsten Jahr wirklich den Krimi im NaNo schreiben werde, steht noch in den Sternen, aber ich fühle mich inzwischen bereit dafür.

Ich gehe mit dem guten Gefühl in die neue Dekade, dass ich mich gar nicht verändern muss, um zu schreiben und Manuskripte abzuschließen. Meine Fenster und Geheimtüren warten. Und wenn ich sie nicht allein finde, dann mit der Unterstützung meiner WritingBuddies.

Ein Gedanke zu „Für immer ein Pantser!

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