Camp Pep Talk 4 – Auf der Zielgeraden?

Veröffentlicht von Francis S. am

Der Monat ist fast rum, das Camp in den letzten Zügen und die Motivation ist gerade ein widerspenstiges Wesen – zwischen „Im Urlaub“, „Unbekannt verzogen“ und „Oh ja, lass uns noch ein paar Runden drehen!“ ist alles dabei. Jetzt gilt es, dieses Monster zu zähmen und die letzten Kraftreserven aufzubringen, um das Camp-Ziel zu schaffen – oder eben nicht.

Es kann nur einen Sieger geben!

Diesen Spruch hört man andauernd, wenn es um Wettkämpfe geht, und er ist Bullshit. Wir sind alle Sieger, ob wir die Zielgerade nun überschreiten oder nicht. Denn im Grunde geht es nicht darum, ob wir die meisten Wörter aus unserem Autorenzirkel geschrieben haben, ob wir am ambitioniertesten waren oder die meisten Stunden investiert haben. Wir sind keine „Alles oder nichts!“-Autor*innen, wir sind ein Team. Wir motivieren uns, feuern uns an, gehen campen… okay, zumindest gehen wir fiktiv campen! Aber das ist das Prinzip des Camp NaNo:

Gemeinsam sind wir stark!

Diesen Monat habt ihr, liebe Autor*innen, euch ein Ziel gesetzt und selbst wenn ihr dieses Ziel verpasst, so habt ihr doch dazu beigetragen, euch gegenseitig zu motivieren. In der Regel stößt man nicht einfach auf das Camp, man bekommt es mit, weil andere Autor*innen daran teilnehmen. Selbst wenn man sich einen Monat in einer einsamen Kammer einschließen würde, allein der Gedanke, dass gerade tausende andere Autor*innen über ihren Manuskripten brüten und derselben Tätigkeit nachgehen, ist unglaublich motivierend. Das Leben von Autor*innen ist geprägt durch den zumeist einsamen Schaffensprozess, und das Camp (und auch der NaNoWriMo im November) ist eine Möglichkeit, dieser Einsamkeit zu entkommen.

Dabei sein ist alles!

Daher ist es nicht schlimm, wenn die Zielgerade in unendliche Ferne gerückt ist und es keine Möglichkeit gibt, sie in der verbleibenden Zeit noch zu überschreiten. Wir jubeln unseren Kolleg*innen zu, die es schaffen, wir freuen uns für sie, wir applaudieren und nehmen das mit, worum es geht: sich einem Projekt verpflichten. Dann braucht man halt bis zum zehnten August (meiner derzeitigen Zielgeraden, wenn ich der Website vertraue…), das entscheidende ist doch, am Ball zu bleiben. Die Motivation dieses Monats in die folgenden Monate zu tragen, das Schreiben zu lieben, ihm Zeit einzuräumen und sich langsam eine Routine zu etablieren. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt dafür. Schaut dazu doch bei Gelegenheit in einem meiner letzten Magazin-Beiträge vorbei, denn „Das Schreiben lieben – aber regelmäßig?“ bietet viele Ansatzpunkte, um am Ball zu bleiben. Denn was ist das Ende des Camp NaNo anderes als der Beginn des nächsten Monats, eines Monats, in dem Schreibziele genauso gesetzt (und vielleicht erreicht) werden wollen?

Ziel erreicht – und nun?

Das gilt für diejenigen, die ihr Ziel vielleicht nicht erreicht haben, genauso wie für jene, die mit Vollgas an uns vorbeigerauscht sind und die Zielgerade überquert haben, bevor andere sich warm gelaufen hatten. Ich schaue niemanden im Besonderen an, aber du da – genau, dich meine ich! -, du weißt, was dich erwartet, oder? Tritt vor’s Schienenbein und so… Ehrlich, 10. Juli und 100 Prozent? Herzlichen Glückwunsch! Ich bin mega stolz auf dich!

Sorry für den kleinen Abstecher. Ich wollte nur mal diese Unterstützung vorleben, von der ich die ganze Zeit rede. Wo war ich? Ach ja! Zielgerade! Wir sind gerade auf der Zielgeraden, haben noch ein paar Tage Zeit, um unser Bestes zu geben. Möget ihr Bestleistungen hervorbringen und eure Ziele erreichen! Aber denkt dran: Macht Pausen, wenn ihr sie braucht, hört auf euren Körper, und zwingt euch zu nichts. Manchmal funktioniert das Schreiben nicht. Wir sind keine Maschinen, und es gibt beim Schreiben weder Verlierer noch Gewinner (auch wenn das Camp uns hartnäckig einreden möchte, dass es Gewinner gibt… keine Ahnung, was das soll!) Wir sind alle Gewinner, weil jeder Schreibende allein dadurch gewinnt, auch nur ein Wort geschrieben zu haben. Das Schreiben ist das Ziel – und jetzt ran an die Tasten!

Nutzt den Tag!

Viel Erfolg beim Schreiben, Überarbeiten, Plotten und denkt dran:

The only obligation any artist can have is to himself. His work means nothing, otherwise. It has no meaning.

Truman Capote, M. Thomas Inge (1987). “Truman Capote: Conversations”, p.43, Univ. Press of Mississippi

Das bedeutet, frei übersetzt: Die einzige Verpflichtung, die ein Künstler haben kann, ist die sich selbst gegenüber. Seine Arbeit bedeutet sonst nichts. Sie hat keine Bedeutung. Also: Schreibt für euch selbst. Schreibt, weil ihr schreiben müsst. Wenn ihr dabei ein Ziel erreicht – super! Aber selbst wenn ihr es nicht schafft: Das wichtigste ist, dass ihr für euch selbst schreibt. Niemand kann euch dazu zwingen. Keine Leser*innen, keine Kolleg*innen und auch keine Website, in die ihr vor Wochen ein Ziel eingetragen habt. Ihr schreibt für euch und für niemand anderen. Daher möchte ich euch in jedem Fall schon einmal gratulieren: Ihr habt diesen Monat an euren Projekten gearbeitet und das ist super! Herzlichen Glückwunsch!


Francis S.

Francis Stuhlmüller ist eine Autorin und Leserin aus dem Bergischen Land. Seit ihre beste Freundin sie durch Fanfictions in die Welt der eigenen geschriebenen Worte eingeweiht hat, schreibt sie an eigenen Geschichten. Während ihres Geschichts- und Philosophiestudiums kam sie meist nicht dazu, in fantastische und romantische Plots einzutauchen, aber danach stürzte sie sich in ihre Manuskripte. Seit 2017 macht Francis als „Buchbummelant“ sowohl Twitter als auch die Schreibnacht unsicher, und seit 2019 schreibt und lektoriert sie regelmäßig für das Schreibnacht-Magazin.

2 Kommentare

Marina W. · 24. Juli 2019 um 15:22

Naja Francis, du hast ja sogar die Gelegenheit, den Tritt vors Schienbein zu verpassen. Du und die, die am 10. fertig geworden ist, trefft euch ja gelegentlich mal 🙂

    Francis S. · 25. Juli 2019 um 00:35

    Hallo Marina!

    Ich hole das Samstag nach, versprochen! Nochmals herzlichen Glückwunsch 🙂

    Liebe Grüße,
    Francis

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