Der Plot hinter dem Plot | Die Geschichte des Antagonisten

Veröffentlicht von Sabrina S. am

Wir hassen sie, wir lieben sie: Die Antagonisten. Was wäre eine Geschichte ohne sie? Gar nichts. Denn in den meisten Fällen sind die Hindernisse für die Protagonisten nicht natürlicher Ursache. Natürlich spricht nichts gegen Waldbrände, Tornados oder ein kleines Erdbeben. Aber mal ehrlich, so viele Zufälle kann es eigentlich nicht geben. Abgesehen davon käme es auf die Dauer fade rüber. 

Wer ist der Antagonist?

Also widmen wir uns unserem Antagonisten. Nicht immer ist er der typische Bösewicht, der die Weltherrschaft anstrebt. Er tritt auch als streitsüchtiger Rüpel oder als angeberische Zicke auf. Je nach Genre hat er andere Ziele. In einer Romanze findet man sich bestimmt mit jemandem konfrontiert, der für Eifersuchtsszenen sorgt. In einem Krimi ist der Antagonist meistens der Kriminelle selbst, obwohl das meistens nicht so deutlich herauskommt, da er sein Verbrechen ja vertuschen will. Und in der Fantasy geht es dann beispielsweise darum, Macht anzusammeln oder eben die Welt zu beherrschen.
Doch etwas haben sie alle gemeinsam:
Der Protagonist steht ihnen bei ihren Plänen im Weg, also muss er
aus dem Weg geräumt werden. Entweder man macht ihn auf emotionale
Weise fertig, man bringt ihn ins Gefängnis oder tötet ihn.
Schwupps, schon ist wieder alles in bester Ordnung.
Böse ist nicht gleich böse:
Alles schön und gut. Doch das erklärt
noch nicht, warum der Antagonist überhaupt böse ist. Böse ist
natürlich relativ zu sehen, denn in den meisten Fällen gibt es sehr
gute Gründe für sein Streben. Man sagt ja auch, niemand wird böse
geboren. Genau das sollte man als Autor berücksichtigen, wenn er den
Gegenspieler entwirft. Man muss eine glaubhafte Geschichte
entwickeln, die hinter ihm steht. Seine Vergangenheit zu kennen, ist
das A und O, um ihn zu einem plausibel wirkenden Charakter zu machen.
Ein Beispiel:
Am einfachsten zu erläutern ist es
vermutlich anhand eines Krimis. Wer einen Krimi entwirft, braucht
einen Mörder/Dieb/Entführer/usw. Der Konflikt besteht darin, dass
jemand aufdecken muss, warum der Verbrecher das Verbrechen begangen
hat. Man muss also erst einmal einen Grund für die Tat bestimmen.
Versuchen wir doch mal einen
Antagonisten in einem Krimi zu entwerfen:
Christopher S. hat seine Frau
umgebracht, weil sie ihn betrogen hat.
Soweit so gut. Nun muss geklärt
werden, warum er sie tötet statt ihren Geliebten. Also spinnen wir
die Geschichte weiter:
Christopher S. wurde bereits von
seiner letzten Freundin betrogen. Er verliert den Glauben an die
Liebe und denkt, alle Frauen seien Betrügerinnen. Sie sind schuld,
sie müssen büßen.
Hier haben wir einen Grund, warum er so
reagiert. Doch noch ist nicht sicher, warum er so radikal vorgeht.
Deswegen:
Christopher S. hat in seiner
Kindheit von seinem Vater gelernt, dass man im Leben nur weiterkommt,
wenn man hart ist. Ein Mann darf keine Schwäche zeigen, er muss
immer die Kontrolle behalten.
Gut, aber noch nicht gut genug. Noch
plausibler wird es so:
Christopher S. wurde von seinem
Vater geschlagen, wenn er etwas falsch gemacht hat. Später in der
Schule begann er sich dann stets zu prügeln, wenn ein Mitschüler
ihm dumm kam. Und als er seinen ersten Job angetreten hat, hat ihm
eine Kollege seine Freundin ausgespannt, sodass er ihn fast zu Tode
prügelte. Er ist nur auf Bewährung draußen.
Das erklärt dann auch, warum er
keinesfalls den Mord gestehen würde – weil er nicht ins Gefängnis
will.
Und genau wie ein Polizist diese
Geschichte nach und nach aufdecken muss, will der Leser nach und nach
erfahren, was es mit dem Antagonisten auf sich hat. Warum tut er das,
was er tut? Warum handelt er so brutal? Welche emotionalen Schäden
wurden ihm bereits zugefügt?
All das soll im Laufe der Geschichte
nach und nach ans Licht kommen. Wie das vonstatten gehen sollte,
könnt ihr hier
nachlesen.

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Schreibaufgabe: Stell dir vor, dein Antagonist, vertraut sich einer Person an, die ihm sehr nahe steht, und erzählt dieser Person von seinen Gefühlen und Ängsten, Hoffnungen und Träumen, schlechten wie guten Erfahrungen. Wenn du es ganz abstrakt magst, schicke deinen Bösewicht zum Therapeuten. Du kannst aber auch ähnlich wie beim Protagonisten seinen Gegenspieler über eine Alltagsbeschreibung besser kennen lernen.

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Diskussion: Wie plant ihr eure Antagonisten? So detailliert wie eure
Protagonisten? Nur vage im Hinterkopf? Oder soll sich ihre
Vorgeschichte im Laufe der Story entwickeln?

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