Eine Idee in einen Plot verwandeln

Veröffentlicht von Francis S. am

Ideen überfallen einen an den unmöglichsten Orten. Ein Plotbunny hoppelt über die Wiese und Autor_innen packen ihre Notizbücher aus und skizzieren es, bevor es in einem Loch verschwinden kann, um nie wieder aufzutauchen. Manchmal sucht man auch nach Plotbunnies, jagt sie, sammelt sie. Ideen entstehen und verschönern das Autor_innenleben. Heute wird es darum gehen, Ideen in eine Struktur zu bringen, um nicht nur einen Stall voller Plotbunnies zu haben, sondern sie zu hegen und zu pflegen und sich an ihrem Anblick zu erfreuen.

Zunächst einmal muss man sich die Idee – das Plotbunny – genau anschauen. Meist sind Plotbunnys nicht ausgewachsen, sondern haben noch Entwicklungsbedarf. Klar, sie haben süße Öhrchen und schönes Fell und man möchte sie nur anstarren und schon geht einem das Herz auf, aber die wenigsten Plotbunnies bringen ihre Freunde mit – und präsentieren somit gleich die Idee für ein ganzes Manuskript. Manchmal, sehr selten, reicht eine Idee, die in der Lage ist, ein Manuskript zu tragen, aber meist braucht es viele Ideen, die ineinander greifen. Plotbunnies müssen gefüttert, ihr Stall ausgemistet werden und sie sind einsam, wenn man glaubt, eines alleine halten zu können. Beschäftigt euch mit eurer Idee, mit euren Häschen, und stellt euch darauf ein, dass diese Ideen umsorgt werden müssen. Eine Figur muss ausdifferenziert werden (ein paar Tipps dafür findet ihr in meinem Artikel „Charaktere, Figuren und deren Konzeption“), eine Situation hat einen Ausgangspunkt und ein Ende, und vieles sollte man wissen, bevor man sich in eine Geschichte stürzt – zumindest, wenn ihr ein Plotter seid.

Plotter oder Pantser?

In der Autorenfachsprache gibt es zwei Extreme: Die Plotter und die Pantser. Die Plotter überlegen sich, bevor sie eine Geschichte schreiben, welchem Plot sie folgen möchten und entwickeln die Details ihrer Geschichte, bevor sie auch nur ein Wort schreiben. Die Pantser schreiben zumeist einfach drauflos – sie setzen sich sozusagen auf ihren Hosenboden und schreiben, ohne zu wissen, wohin die Idee sie tragen wird. Beide Herangehensweisen sind möglich, aber zumeist gibt es Abstufungen. Nicht jeder Plotter plant jedes Detail und nicht jeder Pantser hat keine Ahnung, wo die Geschichte hinführen wird, wenn er beginnt. Ich bezeichne mich daher auch gerne als „Plantser“ – ich habe einzelne Szenen, die ich erreichen möchte, oder habe die Figuren schon ausdifferenziert, aber vieles kommt dann doch beim Schreiben. Das ist wohl ein Grund, warum ich immer zu viel schreibe … aber zurück zu euch!

Eine gute Idee?

Dieser Artikel soll euch dabei helfen, euch im Dschungel eurer Ideen ein wenig zurechtzufinden. Dabei können verschiedene Dinge helfen. Zunächst einmal: Schreibt eure Ideen auf. Lasst sie ein wenig sitzen, wenn möglich, oder sprecht sie mit euren Writing-Buddys, Schreibpartner_innen oder einfach guten Freunden durch. Schildert anderen eure Ideen. Meist fragen diese Personen nach und da habt ihr dann gleich Ansatzpunkte, die ihr entweder beantworten könnt oder beantworten solltet – und sei es negativ. Es ist wichtig, Ideen abzuklopfen und zu schauen, wo Stärken und Schwächen der Idee liegen. Nur so seid ihr in der Lage, einen Plot zu entwickeln. Dabei gibt es keine schlechten Ideen. Es gibt nur unausgereifte Ideen. Lernt eure Idee kennen!

Der Plot einer Geschichte

Plot. Dieses böse, böse Wort. Ein Plot ist das grobe Handlungsgerüst für eure Geschichte. „Ein Mädchen verliebt sich in einen Vampir“ ist eine Idee. Achtung, Twilight-Spoiler incoming: „Bella lernt Edward kennen, der sie vor einem Auto rettet. Sie kann sich nicht erklären, wie er das geschafft hat, und findet schließlich heraus, dass Edward ein Vampir ist, der nach ihrem Blut dürstet. Trotzdem verliebt sie sich in ihn. Doch nicht nur Edward hat es auf sie abgesehen…“ – das ist ein Plot. Ein kleiner, sehr grober Plot, aber es ist ein Handlungsgerüst, in dem schon Konflikte abgebildet sind. Konflikte sind wichtig, um Geschichten spannend zu gestalten. Es gibt äußere Konflikte, innere Konflikte, und sie sind besonders wichtig, wenn man Figuren entwickelt. Ohne Figuren (und ihre Konflikte) kein Plot. Ihr merkt also: Einen Plot zu entwickeln ist gar nicht so einfach.

Die Struktur einer Geschichte

Es gibt viele verschiedene Weisen, wie man als Plotter anschließend seine Geschichte strukturieren kann. Jeder findet da seinen eigenen Weg, weil es wie bei allem ist: Was für den einen funktioniert, blockiert den anderen. Ein Tipp aber vorweg: Schreibt euch alle Ideen, die ihr zu einer Geschichte habt, auf. Nehmt ein Blatt und macht Stichpunkte, erstellt Concept Maps oder schreibt einzelne Ideen auf Karteikarten, um sie verschieben zu können. Sammelt eure Ideen, so dass ihr sie griffbereit habt, wenn ihr sie braucht, und entwickelt sie so sehr weiter, dass ihr Inhalte ergänzt oder streicht, wie es sich richtig anfühlt. Um all diese Ideen zu strukturieren, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Es gibt mehrere gängige Vorgehensweisen, diese drei sind wohl besonders verbreitet:

  • 3-Akt-Struktur
  • 7-Punkt-Struktur
  • Heldenreise bzw. Save the Cat (Blake Snyder)

Es werden in den kommenden Monaten ausführliche Erläuterungen mit den einzelnen Stukturmöglichkeiten im Schreibnacht-Magazin veröffentlicht werden. Es gibt unzählige Ratgeber, Schreibblogs und Youtube-Videos, die sich den unterschiedlichen Strukturmöglichkeiten widmen. Ich möchte euch an dieser Stelle auf drei ausgezeichnete Youtube-Zusammenfassungen hinweisen, die ich selbst schon mehrfach herangezogen habe.

Die Qual der Wahl?

  • 3-Akt-Struktur: Der Romanautor Robert Corvus beschreibt in diesem Video die 3-Akt-Struktur ausführlich, indem er einerseits die drei Akte und andererseits die Wendepunkte in die Handlung eines Romans einordnet. Das Video ist auf Deutsch.
  • 7-Punkt-Struktur: Die Lektorin und Korrektorin Ellen Brock hat im Rahmen ihres „Novel Boot Camp“ eine Reihe von Videos veröffentlicht, in denen sie ausführlich Tipps für das Plotten eines Romans mit dieser Methode gibt. Ihr findet die Playlist hier auf Youtube. Die Videos sind auf Englisch, aber absolut empfehlenswert und genial (Ich bin ein großer Fan ihrer Videos!). Leider habe ich kein Video gefunden, das die 7-Punkt-Struktur zu meiner vollsten Zufriedenheit kurz und knackig auf Deutsch erklärt, aber die Schreibdilettanten widmen sich in diesem Video der Struktur an einem praktischen Beispiel. Die bezaubernde Leni Wambach hat mich darüber hinaus noch auf diesen Blogartikel von Jill Noll hingewiesen, der die 7-Punkt-Struktur ausführlich erklärt.
  • Heldenreise: Die Autorin Annika Bühnemann, besser bekannt unter dem Blog „Vom Schreiben leben„, erklärt in diesem Video mittels Harry Potter Band 1 sehr ausführlich die Struktur der Heldenreise. Das Video ist auf Deutsch.
  • Save the Cat: Die Autorin Shaelin Bishop beschreibt auf der Autorenplattform „Reedsy“ ausführlich die Save the Cat-Struktur, leider ist das Video nur auf Englisch verfügbar. Wenn ihr ein Video kennt, dass die Struktur sehr gut auf Deutsch erklärt, schreibt es gerne in die Kommentare!

Natürlich kann man auch einen tollen Roman schreiben, ohne sich an eine Formel aus dem Schreibhandwerk zu halten. Die bekannten Strukturen helfen aber dabei, sich bewusst zu machen, wo Stärken und Schwächen des eigenen Plots und der eigenen Figuren liegen, und bieten Ansatzpunkte, wenn man ins Stocken gerät. Viel Erfolg beim Schreiben!

Hier nochmal das 101 „Von einer Idee zum Plot“

  • Schreibt eure Ideen auf.
  • Schildert eure Ideen anderen.
  • Lernt eure Ideen kennen.
  • Notiert wichtige Handlungspunkte.
  • Entwickelt konfliktreiche Figuren, denn: Ohne Figuren kein Plot.
  • Bringt Struktur in eure Geschichte.

Habt ihre weitere Tipps, wie man eine Idee in einen Plot verwandeln kann? Ich bin gespannt auf euren Input! Hinterlasst doch einen Kommentar und berichtet von euren Erfahrungen.


Francis S.

Francis Stuhlmüller ist eine Autorin und Leserin aus dem Bergischen Land. Seit ihre beste Freundin sie durch Fanfictions in die Welt der eigenen geschriebenen Worte eingeweiht hat, schreibt sie an eigenen Geschichten. Während ihres Geschichts- und Philosophiestudiums kam sie meist nicht dazu, in fantastische und romantische Plots einzutauchen, aber danach stürzte sie sich in ihre Manuskripte. Seit 2017 macht Francis als „Buchbummelant“ sowohl Twitter als auch die Schreibnacht unsicher, und seit 2019 schreibt und lektoriert sie regelmäßig für das Schreibnacht-Magazin.

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