Erfolgsgeschichten

Veröffentlicht von Thomas Williams am

Wusstet ihr, dass Stephen King sein Manuskript zu „Carrie“ in den Müll geworfen hat, weil es ihm nicht gefiel und er kein Interesse hatte, es zu beenden? Es war seine Frau, Tabhita, die ein paar der Seiten im Mülleimer fand, sie las und ihrem Mann sagte, er solle die Geschichte weiterschreiben. Sie half ihm sogar dabei und 9 Monate später war das Buch fertig. Zu dieser Zeit lebten Stephen und Tabhita in Armut. Der Wagen war eine Rostlaube, die von Draht und Klebeband zusammengehalten wurde. Sie besaßen nicht mal ein Telefon. „Carrie“ wurde mehrmals abgelehnt, aber wie wir alle wissen, schließlich auch von einem Verlag angenommen. Für 2500$. Nicht viel, aber mehr als Stephen King je zuvor verdient hat. Das Buch verkaufte sich zu Beginn nicht besonders gut, doch der Verlag Signet Books kaufte die Rechte für 400.000$. Die Hälfte des Geldes gehörte Stephen King.
Der Rest ist Geschichte. Erfolgsgeschichte, wenn man so will. 1976 wurde „Carrie“ von Brian DePalma verfilmt. Es folgten weitere Verfilmungen von Kings Romanen, Kurzgeschichten und Novellen. Um die meisten dieser Filme hüllt man lieber den Mantel des Schweigens. Und darum soll es hier auch nicht gehen, sondern um die Geschichten verschiedener Autoren und wie sie den Durchbruch schafften.

J.K. Rowling erzählte mal, dass sie ihre Absagen für „Harry Potter“ gesammelt, das Schreiben aber trotzdem nicht aufgegeben hat. Auf Arte habe ich vor Jahren zufällig einen Bericht über einen französischen Verlag gesehen, dessen Vorsitzender sagte, sie hätten Dan Browns „Da Vinci Code“ abgelehnt, weil sie glaubten, dass es ihre Leser nicht interessieren würde. Der Kerl sah aus, als wollte er sich selber ohrfeigen, denn schließlich ging das Buch nach der Absage durch die Decke. Ich weiß noch, wie ich damals im Buchladen gestanden und all die Kirchenthriller gesehen habe. Auf einmal schien jeder ein Stück vom Kuchen haben zu wollen. Wer hätte gedacht, dass der ehemalige Englischlehrer 1995 ein nicht ganz ernstgemeintes Buch namens „187 Männer, um die Sie einen Bogen machen sollten: Ein Überlebens-Handbuch für die in Liebesdingen frustrierte Frau“ veröffentlicht hat, das nicht über die zweite Auflage hinauskam?

Kennt ihr den Film „Trainspotting“? Er beruht auf dem gleichnamigen Roman des schottischen Autors Irvine Welsh. Inspiriert wurde er von der damaligen Rave Szene. Das Buch soll lose auf seinen alten Tagebüchern beruhen und handelt von einer Gruppe Drogensüchtiger in Edinburgh, wo übrigens fast alle Romane von Welsh spielen. Ausschnitte von „Trainspotting“  erschienen in unterschiedlichen Magazinen, bevor jemand Welsh das Angebot machte, es als Roman zu veröffentlichen. Seine Bücher handeln meistens von ziemlich kaputten Charakteren und sind erfolgreich, wie umstritten. Wenn man sie so liest, beginnt man sich zu fragen, welche dieser Figuren er tatsächlich unter anderem Namen kennengelernt hat.

Interessant ist auch der Weg, den Poppy J. Anderson eingeschlagen hat. Sie zählt zu den erfolgreichsten Selfpublisherinnen, was sie sich dadurch erklärt, dass die Verlage zu lange an einem festgefahrenem Programm festgehalten haben. Anderson entschloss sich also, etwas Anderes zu veröffentlichen, als das, was der Markt angeblich haben wollte. Witzigerweise habe ich erst kürzlich den Tweet einer Autorin gelesen, in dem sie schrieb, dass ein Verlag ihr Manuskript abgelehnt hat, weil es nicht das wäre, was der Markt sich wünscht. Nun, ginge man danach, könnten viele das Schreiben wohl an den Nagel hängen. Oder man probiert es einfach aus. Anderson hatte diesen Mut und wurde dafür belohnt. Dass der Buchladen um die Ecke fast nur Thriller und Fantasy verkauft, heißt nicht, dass sich nichts anderes in Deutschland verkauft. Viele kleine Verlage wagen Risiken mit ungewöhnlichen Ideen. Und welcher Leser will nicht mal seine Komfortzone verlassen und was Neues probieren?

Was auch immer ihr schreibt, es könnte also das Manuskript sein, das gerade gesucht wird. Auch, wenn das sechzehn von siebzehn Verlagen anders sehen. Oder vielleicht ist das Interesse wirklich zu gering. Fakt ist allerdings, dass man es nicht weiß, solange es keiner ausprobiert. King hat sein Manuskript in den Müll geworfen, Welsh ließ sich von seinem Leben inspirieren und Anderson entschied sich, ihr eigenes Ding zu machen. Was ihnen bevorsteht, konnte keiner von ihnen ahnen.

Kategorien: Schreibnacht

2 Kommentare

Bianca Thomahsen · 26. Januar 2018 um 13:46

Toller Artikel. Motiviert richtig sein Ding mal durch zu ziehen.

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