Schreiballtag im Familienleben – ein Vergleich

Veröffentlicht von Lina Vindur am

Alles nur Einstellungssache?

Kreatives Schreiben ist immer eine Herausforderung, denn erst muss die Idee her, dann muss die Zeit gefunden werden und es wäre hilfreich, wenigstens etwas Ahnung zu haben von dem, was man da tut.

Also liest man Bücher, Blogs, man beginnt sich zu vernetzen. Mal findet man in den Flow, der große Textmengen auf einmal produziert und dann will man mehr. Mehr Schreiben, ergo mehr Zeit zum Schreiben, mehr Notitzbücher, mehr Austausch, mehr Lesen und mehr Wissen.

Kreatives Schreiben ist wie eine Sucht.

Und wenn man Kinder hat?

Dann auch, nur hat man jetzt weniger Zeit für all das. Aber eben auch nicht immer.

Sicher, wie viel Zeit man hat, hängt davon ab, wie viel man sich nimmt, und wahrscheinlich auch, wie wichtig einem das Schreiben ist. Doch es hängt genauso davon ab, ob man Alleinerziehend ist oder einen helfenden Partner hat. Ob man ein Kind oder gleich 5 hat. Ob man Kleinkinder oder Teenies großzieht. Ob man nur wenige Stunden oder Doppelschichten arbeiten muss. Ob alle physisch und psychisch gesund sind oder eben leider nicht.

Die Kombinationsmöglichkeiten sind immens, und so zahlreich sind auch die Geschichten dahinter. Hier möchte ich euch etwas über meine Erkenntnisse erzählen und vielleicht findet ihr darin Dinge, die euch inspirieren.

Ich hatte und habe großes Glück, denn ich habe erst mit dem Schreiben begonnen, als meine Kinder schon längst auf der Welt waren. So habe ich mir Stück für Stück meine Zeit dafür erkämpft und habe keinen Status “davor” mit dem ich vergleichen könnte. Das änderte nichts an den (zunächst) neidvollen Blicken auf andere angehende Autoren, natürlich solche ohne Kinder oder familiäre Verpflichtungen. Die Freiheit zu Schreiben, wann immer man es wolle (abgesehen von Arbeitszeiten im Brotjob), zu Reisen um Inspirationen zu suchen oder Handlungsorte zu besuchen, keine Absprachen treffen zu müssen um freie Wochenenden zu haben, usw…

Aber will man im Leben nicht immer das, was man selbst nicht hat? Und hier ist auch schon die erste Erkenntnis, für die ich in meinem Leben und auch im Schreiben lange gebraucht habe:

Es ist nicht alles Gold, was glänzt.

Auch andere Autoren haben ihre Schwierigkeiten, kostbare Zeitfenster zu finden und dann inspiriert zu sein, auch Singles können einsam sein und auch kinderlose müssen nicht automatisch die Freiheit haben, hinzugehen, wohin sie wollen. Zu pflegende Angehörige, große Finanzielle Verpflichtungen, Haustiere, schwere Krankheiten, Ausbildung und Prüfung, es gibt genügend Gründe, warum es jedem einzelnen von uns schwer fällt, Zeit für uns zu finden. Daher für euch und uns alle der wahrscheinlich wertvollste Tipp:

Vergleicht euch nicht.

Ja, Wordwars und NaNo helfen manchen zur Motivation durch den Wettbewerbsgedanken, aber genauso viele setzt es unter Druck. Die Gedanken, nicht so viel erreicht zu haben wie andere (hier ist der Wordcount gemeint, aber das gilt sicher für alle Bereiche des Lebens), kann leicht zu einer Spirale werden, die zu einer negativen Grundeinstellung führt. Ganz schnell kann es passieren, dass man so die Lust am Schreiben verliert, durch das Gefühl “es ohnehin nie zu schaffen”. Dabei vergleicht ihr vielleicht Äpfel mit Birnen, da die Grundvoraussetzungen eines jeden von uns so unterschiedlich sind.

Natürlich sind Kinder ein 24/7 Job und selbst wenn sie nicht im Haus sind, ist immer etwas zu tun:

  • Der Berg Wäsche der gewaschen wird, wenn das Kind in der Kita ist (und glaubt mir, von diesen Bergen gibt es viele und sie sind wie der süße Brei und hören einfach nicht auf).
  • Die Einkäufe, die aus nervlichen Gründen ohne Kinder gemacht werden, und damit die Speisepläne (vom Kita Frühstück, zum Schulsnack und Spielplatzverpfegung).
  • Arzttermine, die man selbst wahrnehmen muss (eine Zahnreinigung mit Kind ist weniger lustig als man denkt), abgesehen von denen, wo die Kinder selbst zum Arzt müssen (und davon gibt es reichlich).
  • Das dringend nötige extrastündchen Schlaf, weil das Kind die halbe Nacht wach war (oft in Verbindung mit massiv wachsenden Wäschebergen, oder der Klassiker: im dunkeln spielen ist ja sooo viel lustiger).
  • Dinge für Schule und Kita die organisiert oder besorgt werden müssen (der Elternbeirat will euch diesmal unbedingt beim Kuchenbasar oder die dritte Sporthose diesen Monat ist bereits spurlos verschwunden).
  • Der Bring- und Abholdienst zu Freunden, Vereinen, Therapien, Omas etc. (bis zu einem gewissen Alter eben leider unumgänglich).
  • Den Haushalt lassen wir mal, Ordnung wird überbewertet (ich hab da eine Theorie: 1. glückliche Kinder, 2. ordentlicher Haushalt, 3. seelische Gesundheit – nur zwei gleichzeitig sind möglich!).
  • Von den Gedanken und Sorgen, wenn die Kinder dann mal alleine irgendwo sind, fange ich besser nicht an (und nein, ich bin kein Helikopter, aber die Welt ist gefährlich und Selbstständigkeit für Eltern schwerer als für Kinder).

Ich habe Glück (sagte ich ja), denn ich “darf” zu Hause sein und habe somit freie Vormittage, denn meine Kinder sind in der Kita und der Schule. Trotzdem könnte ich die Liste oben ewig weiterführen. Aber so oder so ähnlich könnten die Listen für Viele aussehen, die große Verpflichtungen zu erfüllen haben oder auch nur Schwierigkeiten haben den Alltag zu meistern.

Ich habe da in den letzten Jahren ein paar nützlich Tips und Techniken gesammelt, die stelle ich euch im zweiten Teil vor.

Habt ihr selbst Kinder, oder keine und strauchelt trotzdem mit dem Zeitmanagement? Hinterlasst gern Kommentare oder tauscht euch im Forum darüber aus. 🙂


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