Schreibübung | Wecke Spannung im Alltäglichen

Schreibübung | Wecke Spannung im Alltäglichen

Jeder Autor hat zum Ziel, dass sein Buch von Anfang bis Ende
gelesen wird, doch es ist gar nicht immer so einfach, die Aufmerksamkeit des
Lesers zu fesseln. Man kann sie mit der nächsten Wendung, dem nächsten
Cliffhanger bei der Stange halten, aber auch ihre Sympathie für die Figuren
lässt viele weiterlesen. Andere lassen sich von der Sprache gefangen nehmen.
Es ist immer so leicht dahergesagt, dass ein wahrer Meister
alles spannend machen kann. Wobei mich wahrscheinlich andere Bücher fesseln
als euch. Was ich nicht aus der Hand
legen kann, bringt vielleicht den nächsten zum Gähnen. Aber das ist ja gerade
das Schöne daran: jeder hat andere Vorlieben. Und doch will man so viele Leser wie möglich begeistern.
Meine heutige Übung beschäftigt sich damit, aus den
alltäglichen Begebenheiten etwas Interessantes zu machen.

Dafür nehmt ihr euch ein alltägliches Ereignis und macht es
so spannend wie möglich. Dabei sollte aber nicht noch etwas Fiktionales dazu genommen
werden, sondern nur tatsächliche Geschehnisse, die auf fesselnde Weise erzählt
werden. Um es einfacher zu machen, kann man einen Ausflug oder eine Feier
nehmen, aber wenn man sich wirklich herausfordern will, sollte man etwa einen Tag mit der Familie, mit Freunden oder 
in der Schule, der Universität oder dem Büro nehmen, wie er alltäglich erlebt werden kann.
Auf welche Weise kann man die Ereignisse spannend
darstellen? Was funktioniert für dich? Welche Perspektive wählst du?
Lasst mich euch ein Beispiel geben:
Nehmen wir einfach mal einen Tag im Büro, an dem man nur den
Hörer am Ohr hat. Auf den ersten Blick nicht sehr spannend. Aber ich versuche mich einmal daran.
„Es war einer dieser Tage, an denen ununterbrochen das
Telefon klingelt und ich ein Problem nach dem anderen entgegennahm. Kaum hatte
ich aufgelegt, schrillte es erneut, ließ mir keine Pause zum Durchatmen. Doch
das zehrte nicht so sehr an meinen Nerven wie das Wissen, dass er sich heute
wieder melden würde. Jeden Tag rief er an, gab sich als jemand anderes aus, nur
um sich Entschädigungen zu ergaunern, die ihm nicht zustanden. Und jedes Mal
tat ich so, als glaubte ich ihm und er tat so, als kenne er mich nicht. Ich
kann ihm nichts nachweisen. Aber heute, dachte ich, als das Telefon erneut
schrillte, verplappert er sich vielleicht. Und dann habe ich ihn.“
Stellt man es richtig an, wird selbst Spaghetti kochen so
spannend, dass der Leser das Buch nicht mehr aus der Hand legen will.
Also übt fleißig daran, das Alltägliche spannend zu machen.

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