Wieso ich lieber nicht an Kreativität glaube

Veröffentlicht von Christina am

Kreativität. Sie gehört zu den Dingen, die meiner Meinung
nach total überschätzt werden. So wie Sonnenaufgänge (wer sie lobt, muss sicher
nicht jeden Tag so früh aufstehen) oder Sonnenschein (für viele ein Garant für
gute Laune) oder Nutella (aufs Brot geschmiert, macht der Morgen angeblich den
Tag)
Mit der Kreativität verhält sich das ähnlich.  Jeder möchte auf seine Art kreativ sein und
nutzt den schwammigen Begriff, um sich und seine Fähigkeiten hervorzuheben. Für
mich hat Kreativität jedoch immer einen schalen Beigeschmack. Es erinnert mich
an Hobbybastler  und
Beschäftigungstherapie. Im Grunde verbinde ich damit nichts Halbes und nichts
Ganzes.  

Wäre Kreativität ein Handwerk, das man erlernen könnte, so
wie ein Autor das Schreiben lernen kann, dann wäre es eine handfeste Sache. Man
weiß, wie sie funktioniert, und muss sie nur anwenden. Das Problem mit der
Kreativität ist aber, dass sie auf Inspiration beruht. Auf jeden von uns wirkt
etwas anderes inspirierend. Es gibt keine Regeln, kein Richtig oder Falsch.
Wenn
jemand bunte Steine übereinander stapelt, kann er sich als kreativ bezeichnen,
selbst wenn andere darüber spotten. Und wenn jemand Tagebuch schreibt, so wie
ich, kann er dies als kreatives Schreiben abtun. Den Sinn dahinter muss jeder
für sich selbst finden.
Deswegen glaube ich lieber nicht an Kreativität. Es sagt
nämlich gar nichts über einen Menschen oder dessen Beschäftigung aus. Genauso
wenig wie Sonnenschein und Nutella meinen Tag machen.
Ich glaube aber, dass Kreativität, bis zu einem gewissen
Grad, bei der Ideenfindung helfen kann. Wenn ich meine Geschichten schreibe, fühle ich mich häufig
von der Realität eingeengt. Vermutlich ist das der Grund, warum ich überwiegend
Fantasy schreibe. Wenn ich in der Realität bleiben muss, geht mir die Fantasie
aus. Richtig gut läuft es bei mir, wenn ich etwas gelesen oder gesehen habe,
das mich inspiriert. Dann bin ich in der Lage, eine Idee oder eine
Ausgangssituation für meine Zwecke umzuwandeln bzw. zu entfremden.
Nun sollte sich ein Schriftsteller immer etwas Besonderes
einfallen lassen, um seine Leser zu überraschen. Vielleicht hat er eine Idee,
sie kommt ihm jedoch so unrealistisch vor, dass er sie gleich wieder verwirft.
Er glaubt nämlich nicht an Kreativität. Das Letzte, was er hören möchte, ist,
dass er kreative Lösungen aus dem Hut zaubert. Er möchte lieber eine schlüssige
und  nachvollziehbare Handlung kreieren,
die den Leser überzeugt.
Wer jedoch ausschließlich so ans Werk geht, ist und bleibt unproduktiv. Man sollte sich mit jeder Idee, egal, wie verrückt sie
klingt, auseinandersetzen. Wenn man mit dem Gedanken spielt, dass etwas
funktionieren könnte, ergeben sich bisweilen ganz neue Möglichkeiten.
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Schreibaufgabe:
Hattest du schon einmal eine Blitzidee, bei der du dachtest:
„Wow, das ist genial!?“ Doch je länger du darüber nachdachtest, desto konfuser
wurde die Geschichte? 

Versuche dich zu erinnern und schreibe die Idee auf. Wenn
dir nichts einfällt, denke an ein Schubladenprojekt, das du vielleicht
abgebrochen hast, weil du dich in eine Sackgasse geschrieben hast. Lass nun die
Realität außen vor und spiele ein wenig. 
Ziehe sämtliche Möglichkeiten und Wege in Betracht. Lass Supermann aus
dem Gebüsch springen, wenn nötig oder wünsche einen fliegenden Teppich herbei.  Hab keine Scheu. Es ist nur eine verrückte
Spinnerei, die deiner Kreativität entspringt. Wenn du fertig bist, lege den Entwurf  ein bis zwei Tage
beiseite. Dann nimmst du dir den Text erneut vor und streichst alles raus, was
absolut keinen Sinn ergibt. Die Einfälle, die auf den ersten Blick gar nicht so
verkehrt klingen, solltest du hingegen noch einmal überdenken.
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Diskussion: Glaubst du an Kreativität? Und wenn ja, wie
nutzt du sie? Machst du spezielle Fingerübungen? Oder bist du der Meinung, dass erst die Inspiration, das
Gedankenkarussell zum Laufen bringt?  Wandelst du häufig Ideen ab, um sie auch in deinen
Geschichten verwenden zu können?

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