Meet the Schreibnacht-User: Interview mit Philipp J. Frühling

Meet the Schreibnacht-User: Interview mit Philipp J. Frühling

Manche Schreibnacht-User sind für mich vor dem Interview ein Buch mit sieben Siegeln, dieser Schreibnacht-User ist einer meiner Writing Buddies und engsten Freunde. Ich habe Phil J. Frühling aka HeavyOverlord einige Fragen gestellt.

Phil J. Frühling
Philipp J. Frühling in Madrid. Wer wäre jetzt nicht gerne dort? Credit: HeavyOverlord

Hallo! Ich freue mich sehr, dass du dich für eines unserer ersten Interviews zur Verfügung stellst. Du bist also quasi eines der Versuchskaninchen. Magst du dich für unsere Leser:innen erst einmal vorstellen?
Sehr gerne! Mein Name ist Philipp (Mein Pseudonym: Philipp J. Frühling), ich bin 23 Jahre alt, studiere aktuell Geschichte und … Überraschung, schreibe in meiner freien Zeit an dem ein oder anderen Schreibprojekt.


Philipp J. Frühling – hat das Pseudonym einen Hintergrund?
Ich wollte unbedingt ein Pseudonym, weil es meine Autorenperson öffentlich gesehen von mir als Privatperson trennt, was mir sehr wichtig ist. Es enthält dennoch meine Initialen. Das J ist zudem der Anfangsbuchstabe einer Protagonistin aus einem meiner Projekte und auch das Frühling kam durch diese Protagonstin zustande. So enthält mein Autorenname einerseits etwas von mir, aber gleichzeitig auch von meinen Projekten, was ich gut und praktisch finde.


Mich interessiert ja immer die Geschichte hinter den User:innen. Wie bist du denn zur Schreibnacht gekommen?
Klingt jetzt vielleicht etwas blöd, aber durch Zufall. Eines Abends im Februar 2017 war ich auf Twitter unterwegs, was zu dem damaligen Zeitpunkt schon recht selten war. Und in der Trendleiste erblickte ich dann den Hashtag #Schreibnacht. Da hab ich dann aus Neugier draufgeklickt und schon war es geschehen – ein paar Stunden später war ich im Forum angemeldet 🙂


Ich bin fast genauso zur Schreibnacht gekommen! Es war keine Schreibnacht, aber ich bin auch über einen Tweet gestolpert. Und hey, du bist hängen geblieben! Was magst du an der Schreibnacht besonders?
Bevor ich das Forum entdeckt hatte, war ich, was den Austausch mit anderen Schreiberlingen angeht, völlig isoliert oder besser gesagt unvernetzt. Ich war mit meinen Projekten oder im Allgemeinen mit dem Schreiben allein. Das Forum war also ein wichtiger Fund, da es mir die Möglichkeit gab, mich mit anderen Schreibenden auszutauschen. Dass man viele neue Eindrücke und Perspektiven über das Schreibhandwerk bekommt, schätze ich sehr an der Schreibnacht. Und: Ohne sie hätte ich viele tolle Menschen niemals kennengelernt!


Da kann ich dir nur zustimmen! Was war dein coolstes Erlebnis in Zusammenhang mit der Schreibnacht?
Die Entstehung der WB-Gruppe, in der ich bin – „The Brainstormers“. Aus unverbindlichen „Word Wars“ im Forum entstand eine wundervolle Gemeinschaft, die ich heute keine Sekunde mehr missen will. Das ist mindestens cool, aber eigentlich auch viel mehr als das. Im Grunde hätte ich gesagt, dass es im Zusammenhang mit dieser Gruppe so viele weitere coole Momente gab. Zum Beispiel das Treffen im Rahmen der FBM ’18 und ’19 🙂

Brainstormers halten sich die Augen zu.
Ein Teil der Brainstormers auf der Frankfurter Buchmesse 2019. Copyright: Francis Behrend

Ich sollte nicht überrascht sein, schließlich teile ich die Erinnerung mit dir! Der Austausch mit anderen Autor:innen in der Schreibnacht ist großartig, insbesondere in Writing Buddy-Gruppen. Aber wie du sagtest – man schreibt ja doch alleine. Daher möchte ich mich jetzt dem Schreiben zuwenden. In welchen Genres bist du unterwegs und woran schreibst du gerade?
Das mit den Genres ist bei mir so eine Sache, aber ich habe eine Tendenz zu Phantastik und innerhalb dieser eine zu Urban Fantasy festgestellt – und ich liebäugle immer wieder mit YA oder NA – zumindest hab ich Ideen für entsprechende Projekte. Aktuell allerdings bin ich vollkommen der Phantastik verschrieben. Ich schreibe an einem Manuskript, welches in einer Fantasywelt spielt, auch wenn ich tatsächlich auf weniger phantastische Elemente setze (zum Beispiel gibt es keine Magie) und dafür dann gesellschaftskritische Themen zu behandeln plane, bei denen es recht unbequem beim Lesen werden kann.


Fantasy! Ich mag die Phantastik auch sehr gerne. Du sprichst gesellschaftskritische Themen an, die du in deinen Geschichten verarbeitest. Gibt es weitere Themen, die in deinen Geschichten wichtig werden? Hast du vielleicht sogar ein „Pet Peeve“, also etwas, das sich immer wieder in deine Geschichten schleicht und das dich ärgert, aber das andere vermutlich gar nicht so schlimm finden?
Tatsächlich störe ich mich häufig daran, wie ich männliche Figuren schreibe, da ich immer fürchte, sie werden entweder wie ich oder zu einem Klischee-Abziehbild, das ich auch eher nicht so gerne schreiben will – weil es einfach zu flach gerät. Ich kann mir gut vorstellen, dass andere – die mich vor allem nicht kennen – damit kein Problem hätten, wenn eine männliche Figur mir ähnlich wäre – schließlich wüssten sie es nicht. Mich stört es natürlich trotzdem.


Das finde ich spannend, da ich tatsächlich bewusst darauf achte, dass jede Figur etwas von mir hat, damit ich mich besser in sie hineinversetzen kann. Apropos. Du bist ja nicht nur Autor. Welche Hobbys hast du neben dem Schreiben – und magst du uns etwas verraten, worin du besonders gut bist?
Also neben dem Schreiben spiele ich auch noch E-Gitarre. Ich behaupte mal, dass ich da jetzt nicht außergewöhnlich gut bin – muss noch einiges lernen (wie beim Schreiben auch …), bin in letzter Zeit allerdings schon zufrieden mit diesem Hobby. Tatsächlich fällt mir gerade nichts ein, worin ich besonders gut bin oder behaupten würde, besonders gut darin zu sein. Außer mein Talent für Unordnung zählt.


Du hast mein Wohnzimmer noch nicht gesehen! Wenn das kein Talent für Unordnung ist, weiß ich auch nicht. Magst du uns ein wenig über deinen Schreibprozess verraten?
Also am Anfang steht natürlich eine Grundidee. Wie es zu der Idee kommt konnte ich mir bislang nie völlig erschließen; sie ist einfach da. Inspiration ist ein ganzes Thema für sich, fürchte ich. Jedenfalls bin ich dann bemüht, der Idee etwas mehr „Fleisch“ zu geben. Tatsächlich habe ich gemerkt, dass es weniger hilft, die Idee sofort aufzuschreiben. Mein aktuelles Projekt ist da ein gutes Beispiel, da ich für dieses nirgendwo die Grundidee notiert hatte, aber beim Anfertigen einer groben Struktur erstaunt merkte, dass ich eine ganze Menge über mein Projekt wusste. Tatsächlich bin ich kein Plotter, aber Fan von einem groben Pfad, an dem ich mich beim Schreiben immer entlanghangeln kann, wenn ich einmal nicht mehr weiß, wo es jetzt hingehen soll. Ich glaube das nennt man „plantsen“, oder? Mein aktuelles Projekt hatte ich zunächst mit einer niedergeschriebenen 7-Punkte-Struktur zu schreiben begonnen und vieles erst beim Schreiben selbst dann an Ideen und Charakteren für das Projekt „entdeckt“ und hinzugefügt. Wenn ich merke, dass es noch an Substanz fehlt, justiere ich mit ein wenig mehr Plotting nach, wo es mir sinnvoll oder notwendig erscheint. Das ist auch ein wenig Glücksspiel und vielleicht fliegt vieles später wieder raus, wer weiß. Organisiertes Chaos – so würde ich meinen Schreibprozess beschreiben.


Das macht dich sehr sympathisch! Noch eine letzte Frage: Wo siehst du dich als Autor in zehn Jahren?
In zehn Jahren würde ich als Autor gerne auf ein paar erfolgreich beendete Projekte blicken können und – bestenfalls – Veröffentlichungen (sei es nun per Verlag oder im Selfpublishing) ebenjener. 10 Jahre sind so viel Zeit, dass ich doch ein wenig optimistisch bin, dass ich das schaffen kann.


Lieber Philipp, ich danke dir herzlich für dieses Interview!
Der Dank ist ganz meinerseits! Immerhin ist das hier mein erstes Interview überhaupt gewesen und ich bedanke mich herzlich für diese Möglichkeit.


Social Media & Webpräsenz:

Instagram: @Phil_J_Fruehling
Twitter: @HeavyOverlord

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