Meet the Schreibnacht-Team: Interview mit Francis

Meet the Schreibnacht-Team: Interview mit Francis

Wir haben den Spieß einmal umgedreht: Heute gibt es ein Interview mit Special-Word-War-Mutti, Magazin-Redakteurin und -Lektorin und Interviewerin vom Dienst Francis Behrend aka Buchbummelant.

Ein Foto vom Wandern mit Francis‘ Mutter. Copyright: Francis Behrend

Hallo! Ich freue mich, den Spieß heute einmal umdrehen zu dürfen und dich interviewen zu dürfen. Den fleißigen Leser:innen der #MeetTheTeam-Interviewreihe dürfest du schon bekannt sein. Aber erzähl uns doch nochmal, wer du eigentlich bist und was du machst, wenn du gerade keine Teammitglieder mit Fragen löcherst.
Hallo! Im Forum bin ich als Buchbummelant unterwegs, aber nennt mich ruhig beim Vornamen – Francis. Als Autorin verwende ich den Nachnamen „Behrend“ – eine kleine Erinnerung an meinen verstorbenen Vater und der Versuch, meinen Job und mein Leben als Autorin ein wenig zu trennen. Ich bin seit 2017 im Schreibnacht-Forum unterwegs und wurde 2019 eingeladen, im Team und im Magazin mitzuwirken. Das mache ich gerne, aber es bleibt nicht viel weitere Freizeit. Schreiben, Lesen, das Schreibnacht-Forum und Twitter – mehr braucht man über mich eigentlich nicht wissen, das fasst es gut zusammen, meinst du nicht auch?


Wenn du keine düsteren Geheimnisse vor mir hast, passt das perfekt. Seit 2017 ist eine lange Zeit und du hast im Schreibnacht-Forum sicher schon einiges erlebt. Was war denn bislang dein Highlight?
Mein Highlight war ein Abend im September 2017, als ich bei den Wordwars zwei absolut grandiose Schreibnächtler kennenlernte. Es wurde eine produktive, lange Nacht und am Ende gründeten wir eine Writing Buddy-Gruppe. Diese Gruppe ist jeden Tag wieder mein Highlight. Ich habe so viele fantastische Menschen online und offline kennengelernt, Erfolge und Kummer geteilt, und ich weiß, dass ich ohne diese Gruppe nicht die Autorin wäre, die ich heute bin. Aber es gibt noch viele andere Ecken, die ich im Forum liebe, und es gibt auch viele weitere Highlights. Die Schreibnacht, in der Heiko Hentschel unser Special Guest war, zaubert mir beispielsweise noch heute ein Lächeln auf die Lippen, und das Juli-Camp 2019 war grandios.


Mit dieser Gruppe meinst du die Brainstormer, nicht wahr? Bist du lieber dort unterwegs oder im öffentlichen Forum – von deiner Tätigkeit als Teammitglied mal abgesehen?
Die Frage ist fies. Das ist so, als würdest du mich fragen, ob ich meinen linken oder meinen rechten Arm lieber hab. Ich verbringe die meiste Zeit in meiner Writing Buddy-Gruppe, aber ich bin auch gern im öffentlichen Forum. Die Wordwars sind mir nach wie vor heilig – ein Grund, warum ich mittlerweile auch Special Wordwars anbiete – und ich liebe die kreativen Abenteuer und die Schreibtouren. Auch Camp-Aktionen ziehen mich immer wieder ins Forum oder in die Teams, die ich da leite. Ein bisschen Konkurrenz schadet schließlich nicht. Aber am Ende des Tages kehre ich immer zu den Leuten zurück, mit denen ich täglich schreibe – meinen Writing Buddys.


Apropos Writing-Buddys. Du gestaltest dein Autorinnenleben ja auch offline sehr aktiv, besuchst Buchmessen, Litcamps und inzwischen bist du auch Organisatorin des Kölntreffs – was ist für dich der Reiz daran, andere Autor*innen im „Real Life“ zu treffen?
Da gibt es viele verschiedene Reize. Erst einmal trifft man natürlich viele verschiedene, tolle Menschen und uns alle verbindet eine Leidenschaft: Bücher. Über Bücher kann man stundenlang reden, es gehen einem nie die Themen aus. Es ist spannend, die Menschen hinter den bekannten Namen kennenzulernen. Außerdem kann man gerade auf Buchmessen und bei Litcamps dazulernen. Warum sollte man Sensitivity Reader nutzen? Welche Marketingstrategien sind erfolgreich? Wie baue ich eine erfolgreiche Website auf? Es gibt einfach viele Gebiete, in denen ich noch dazulernen möchte, und bei buchigen Veranstaltungen treffe ich Menschen, die schon weiter sind als ich – oder denen ich mit meinem Know How helfen kann. Es ist ein Geben und Nehmen.

Das Kölner Autor:innentreff ist dann noch etwas Besonderes. Da geht es nicht nur ums Schreiben, es geht darum, gemeinsam Spaß zu haben und mal aus der eigenen Kammer rauszukommen. Für manche ist Schreiben eine sehr einsame Tätigkeit – und ich bin froh, dass ich mit anderen teilen kann, wie großartig es ist, nicht nur mit anderen Autor:innen zusammenzuarbeiten, sondern auch befreundet zu sein. Das begleitet mein Autor:innenleben schon von Anfang an und ich kann mir ein Leben ohne manche der Menschen, die ich durch das Schreiben kennengelernt habe, nicht mehr vorstellen.

Wenn man Writing Buddys auf der Frankfurter Buchmesse trifft und niemand fotografiert werden möchte … Na gut, es war ein Quatschbild. Copyright: Francis Behrend

Da du gerade Know-How angesprochen hast: wir tauschen uns häufiger aus, daher weiß ich, dass du, um das zu erlangen, auch gerne Schreibratgeber liest. Hast du vielleicht ein oder zwei Ratgeber-Empfehlungen für unsere Magazin-Leser:innen?
Wie viel Zeit hast du? Scherz beiseite. Ich bin ein großer Fan des Schreibratgebers „The Complete Handbook of Novel Writing“ von Writer’s Digest. Ich bin auf die zweite Edition des Buches in den USA in Barnes & Nobles gestoßen – und war überrascht von der riesigen Auswahl an Schreibratgebern dort. Ich habe das Buch gesehen, gekauft und verschlungen. Aufgrund des Buches habe ich mich unglaublich schnell weiterentwickelt und einige alte Geschichten überarbeitet. Ich bin ein großer Fan! Besonders ein Artikel von Kathy Jacobson ist für meine Figurenkonzeption mittlerweile unverzichtbar geworden. Als zweites möchte ich keinen Ratgeber per se empfehlen, sondern einen Youtube-Kanal: Ellen Brock. Sie veröffentlicht jährlich in einem „Novel Bootcamp“ Tipps rund ums Schreiben und ich lerne durch jedes Video dazu. Leider ist beides nur auf Englisch verfügbar. Ich lese fast nur englische Bücher, während ich auf Deutsch schreibe. So kann ich die Leserin gut von der Autorin trennen.


Ich bin bekennender Fan deiner Figuren. Was ist dir denn bei ihrer Konzeption denn besonders wichtig?
Ich bemühe mich, über Themen zu schreiben, die mich beschäftigen. Meist möchte ich im Laufe einer Geschichte ein Thema betrachten: Wie gehen Menschen mit ungeplanten Schwangerschaften um? Kann man über seine Vergangenheit, über Lügen, hinauswachsen oder bleibt man immer in diesem Mindset gefangen? Ich möchte möglichst realistisch schreiben – auch bei meinen Figuren. Menschen sind nicht perfekt, sie haben Fehler. Daher haben auch meine Figuren ihre Päckchen zu tragen. Mir ist es wichtig, dass meine Figuren eine Stimme haben und man das Gefühl hat, ihnen auf der Straße begegnen zu können. Alle haben Stärken und Schwächen, Ziele und natürlich innere Konflikte, die sie geprägt haben. Bei mir kann der Good Guy eine unterschwellige sexistische Einstellung haben und seine Freundin, deren Familie gewaltige Vorurteile hat, wird betrunken mal ausfallend, auch wenn sie es nüchtern besser weiß. Mir ist es wichtig, die Realität abzubilden – und ich hoffe, dass meine Leser:innen mir genug Vertrauen entgegenbringen, um die Geschichte bis zu ihrem Ende zu verfolgen. Aus diesem Grund arbeite ich gerne mit Testleser:innen zusammen.


Gibt es neben den ambivalenten Figuren auch etwas, das deine Manuskripte inhaltlich gemeinsam haben?
Ich schreibe gerne Liebesgeschichten. Fantasy, New Adult, Krimis. Bei allem, was ich bisher geschrieben habe, kam irgendwann Liebe ins Spiel. Dabei geht es häufig um Vertrauen, um persönliche Grenzen, um Kommunikation und auch um Sex und seine Folgen. Freundschaft ist auch ein wichtiges Thema, das mich immer wieder beschäftigt. In vielen Geschichten rücken Freundschaften zugunsten der Liebesgeschichte vollständig in den Hintergrund und das finde ich schade. Freund:innen sind Menschen, die einen manchmal besser kennen als man sich selbst, sind unentbehrlich. Generell ist es mir wichtig, Beziehungen darzustellen – mit den Eltern, Geschwistern, Freund:innen, Partner:innen. Und dieses Geflecht macht meine Geschichten aus.


Das ist eine tolle Mischung! So viel zum Status Quo, aber jetzt wollen wir in die Zukunft blicken. Wo siehst du dich in 10 Jahren?
Ich hoffe, dass ich in den nächsten Jahren meine Geschichten mit anderen Menschen teilen kann. In den letzten Monaten habe ich wichtige Schritte in diese Richtung gemacht. Ich habe mein Manuskript an Testleser:innen geschickt und großartiges Feedback erhalten. Ich habe bei 9Lesen aus meinem Manuskript vorgelesen und ich habe in dir eine grandiose Alpha-Leserin gefunden. Und aus all diesen Erfahrungen möchte ich lernen, um mich zu verbessern. Denn eines Tages möchte ich ein Buch in den Händen halten, in dessen Geschichte ich mich schon von der ersten Idee an verliebt habe – und ich hoffe, dass es meinen Leser:innen ähnlich geht, wenn sie sich auf die Figuren und ihre Geschichte einlassen.


Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du das erreichst.
Vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast.

Es war spannend, den Sessel zu wechseln! Jetzt freue ich mich gleich noch mehr auf die Interviews, die demnächst anstehen. Und es wird interessant: Die User kommen!


Social Media & Webpräsenz:

Website: francisbehrend.de

Twitter: @Buchbummelant

Instagram: @Buchbummelant

One thought on “Meet the Schreibnacht-Team: Interview mit Francis

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.