RPG – ein netter Zeitvertreib oder nützliche Hilfe für Autoren?

RPG – ein netter Zeitvertreib oder nützliche Hilfe für Autoren?

Ich habe nicht nur den einen Charakter, den alle kennen. Ich kann zaubern, Hochleistungssport treiben, bin ein Genie, ein Schurke und eine Prinzessin, die einen Drachen erlegt den sie zuvor liebevoll aufgezogen hat. Ein Rollenspiel ermöglicht all das und noch viel mehr.
Der Wunsch, sich in eine andere Rolle zu versetzen, auch wenn es nur für einen Tag, für eine Stunde ist, steckt seit der Kindheitstagen in uns. Wir haben die beliebten Kinderspiele Cowboy und Indianer, Vater-Mutter-Kind und Einkaufsladen gespielt haben. Dann haben wir uns zu Fasching verkleidet, und jemand anderes sein, wollen wir sowieso gelegentlich. Rollenspiele ermöglichen uns nicht nur anders zu sein, sondern unsere Eigenschaften auszuspielen, die wir sonst nie an den Tag legen, weil wir nicht mutig, nicht albern oder nicht flexibel genug sind.


Anlässlich der RPG-Specialnight am 16. Mai 2015, zu der ihr alle eingeladen seid, stellt sich nun die Frage: Hat der Autor einen Nutzen, wenn er RPGs spielt, oder ist das alles nur ein netter Zeitvertreib?


Was ist RPG?

Zunächst müssen wir den Begriff RPG klären. Wikipedia umschreibt es in folgenden Worten: »Als Rollenspiel bezeichnet man in der Spielwissenschaft eine Spielform, bei der die Spielenden die Rollen realer Menschen, fiktiver Figuren, Tiere oder auch Gegenstände übernehmen. Dies können die eigenen Eltern, Lehrer oder Freunde, aber auch Wunschfiguren aus dem Abenteuerbereich, Tiere wie Hunde oder Katzen bzw. Maschinen wie Motorräder oder Flugzeuge sein.«


Arten von RPGs

1. Frei assoziierte Rollenspiele:

Hier wird meist improvisiert und wir kennen das als Kinderspiele mit unseren Sandkasten- und Schulfreunden, wobei auf Partys auch Erwachsene gerne noch das Kind in sich entdecken.

2. Reglementierte Rollenspiele
Diese Spiele verlaufen nach festgelegten Regeln und Anweisungen.
Hier gibt es mehrere Kategorien:
a) Pen-&-Paper-Rollenspiel
b) Live-Rollenspiel
c) Computer-Rollenspiel
d) Schreib-Rollenspiel: Auf diese Art beziehe ich mich in diesem Artikel, denn sie ist für die Autoren am interessantesten.

Das Schreib-Rollenspiel


Chat-RPG

Chats gibt es überall und in jedem kann man ein RPG schreiben, entweder in einem Gruppen-Chat mit viel Chaospotential, oder in einer Zweierunterhaltung. Ich habe früher den ICQ-Messenger genutzt und hatte einige gute Rollenspieler, mit denen ich mindestens ein Mal am Tag gespielt habe. Das gute daran ist, dass hierzu keine Würfel notwendig sind, nur die Fantasie und ein wenig Absprache, damit die Geschichte nicht den Roten Faden verliert.
Allerdings finden diese Chat-RPGs oft kein Ende, denn die Personen, die das spielen wollen sich auch mal so unterhalten und bald ist vergessen, was in der Geschichte passierte und fängt entweder komplett was Neues an, oder setzt grundlos an einem Punkt an, an dem man schon war, oder gar nicht hin wollte. Auch ist das Nachvollziehen über das bereits Geschriebene fällt schwer, außerdem kann man nichts mehr ändern – ein Spiel für den Moment.


Forum-RPG

Eine gute Art in einer größeren Gruppe zu spielen, bei der zu jeder Zeit weitere Charaktere dazu stoßen und die komplette Handlung umkippen können. Nützlich dabei ist natürlich, dass vorher abgestimmt wird, in welche Richtung es in etwa gehen soll. In einigen Spielen habe ich gesehen, dass zuvor Monate geplant wurde, wie grob der Rote Faden auszusehen hat, in anderen Foren wurde nur kurz das Setting erklärt und die Spieler ins kalte Wasser geschubst. Ich selbst bin für die etwas aufwendigere Spielart, bei der man vorher schon die Charaktere der anderen Spieler kennen lernen darf. Das spontane RPG ist am Anfang sehr chaotisch, jeder Spieler versucht den Mittelpunkt der Geschichte zu stellen, doch nach ein paar Tagen haben sich zwei, drei Spieler kristallisiert, die die Geschichte dann so auf sich lenken, dass die anderen keine Chance oder keine Lust mehr haben. Wenn man nur einmal in der Woche online geht, hat man auch sowieso den Anschluss verloren und es ist seltsam eine Handlung zu vollenden, die man vor 200 Posts begonnen hat, denn das Setting hat sich vielleicht schon ganz verändert.


Fortsetzungsgeschichte

Ein Chat- oder Forum-RPG ist selbstverständlich auch eine Fortsetzungsgeschichte, aber hierbei gehe ich auf die längeren Konzepte per E-Mail oder über Cloud ein.
Früher hat man per Mail gespielt und Word-Dokumente an mehrere Personen über den Verteiler verschickt und sie haben dann weiter geschrieben und eine Person hat dann mühselig alle Texte zusammengesammelt. Bei zwei Personen ist es natürlich einfacher, aber ich kenne auch das Spielen mir achtzehn Spielern. Damals war auch die Voraussetzung, dass jeder am Tag zwei Mal weiterschreibt. Der Aufwand war enorm und die Textmengen in nur einem Kapitel unübersichtlich hoch. Wenn die Spieler allerdings unterschiedlich viel Zeit in das Spiel investieren, kann es zu Frust führen, weil man unbedingt wissen will, wie es weitergeht.
Eine modernere Art eine gemeinsame Geschichte zu schreiben habe ich vor einigen Jahren über die Cloud entdeckt. Man kann sich schneller die Datei über die Dropbox schicken, oder man nutz gleich Google-Drive, denn dort kann man in Echtzeit mit mehreren Personen schreiben. Probiert das mal aus, das ist witzig.

Vorteile und Nachteile von RPGs


Vorteile

  • Die Fähigkeit vielfältige Charaktere zu erschaffen verbessert sich. Sie sind so gut erdacht, als wäre man selbst diese Person. Außerdem sieht man ihre rasche Entwicklung.
  • Man muss spontan reagieren und geht intuitive und kreative Wege.
  • Da man nicht allein spielt ist die Spannung groß, denn niemand weiß, wohin das Spiel führt. Man kann sich das so wie einen Cliffhänger in einer Serie vorstellen.
  • Man geht andauernd schwanger mit den Szenen, die noch kommen könnten, ähnlich wie bei einem Roman, nur dass man hier oft seine Ideen gegen die Ideen der Mitspieler durchsetzen muss und dadurch eine noch bessere Wendung kommt. 
  • Die perfekte Formulierung muss es nicht sein. So wie bei NaNoWriMo kann man sich auf die Geschichte konzentrieren und nicht das Lektorat.
  •  Hilft gegen Schreibblockaden.


Nachteile

Ganz klar, es frisst jede Menge Zeit, die wir für das Schreiben unserer Romane nicht mehr haben. Aber vielleicht kann ja aus einem Rollenspiel mit einem befreundeten Autoren ein gemeinsamer Roman entstehen, aufregend ist es allemal.


Welche Art ist nun am besten?

Das muss jeder für sich entscheiden. Man kann seinen Charakter kurz in einen Chat schicken, damit er etwas nachspielt, was er zum Beispiel in dem Hauptroman noch machen muss und der Autor noch nicht weiß, wie genau. Eine Fortsetzungsgeschichte hat natürlich den Reiz, dass die Charaktere und die Handlung sich immer weiter entwickeln und man diese wundervolle Story unbedingt zu Ende bringen will. Und andere sind wiederrum lieber in einer größeren Gemeinschaft, bei der sie einfach nur mitmischen wollen, für diejenigen ist ein Forum-RPG wohl am sinnvollsten. Egal welche Art, es macht Spaß und verbessert definitiv die Schreibfähigkeiten. Also Optimal für Autoren, die ungern konstruierte Schreibübungen machen möchten, denn bei einem RPG werden Setting, Plot, Charakterentwicklung und so viel mehr miteinander kombiniert.
Probiert einiges davon aus, schnappt euch einen oder mehrere befreundete Autoren und los geht’s.
Was sind eure Erfahrungen mit Rollenspielen? Schreibt ihr mit jemanden, oder seid ihr mehr aus der Pen-&-Paper-Fraktion, dann erzählt von euren lustigen und unschönen Erlebnissen.

Ein Gedanke zu „RPG – ein netter Zeitvertreib oder nützliche Hilfe für Autoren?

  1. Chat-RPGs sind super 😀 Und superanstrengend…. Vor allem wenn neun Leute dann irgendwann auf um die 50 Charaktere kommen… und das alles auf Skype.
    Ich habe das Nachlesen recht schnell aufgegeben ^^

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