Szenen-Guide: Wie schreibe ich richtig gute, spannende Kampfszenen?

Szenen-Guide: Wie schreibe ich richtig gute, spannende Kampfszenen?

p { margin-bottom: 0.21cm; line-height: 0.85cm; page-break-before: auto; }p.western { font-family: „Courier New“,monospace; }p.cjk { font-size: 10pt; }

In
vielen Geschichten bleibt es nicht aus: Man muss Szenen schreiben, in
denen gekämpft wird. Damit meine ich nicht nur die epischen
Schlachten im Herrn der Ringe. Es gibt auch kleine Kämpfe; die
zwischen Brüdern auf dem Hof, die zwischen zwei Männern um eine
Frau oder das Opfer, das seinen Mörder abwehren will.

Kampfszenen
– muss ich sie schreiben?

Wenn
du nicht sicher bist, ob du eine Kampfszene schreiben musst, dann
stell dir folgende Frage: Ist die Szene wichtig für den Fortgang der
Handlung? Brauche ich sie, um Figuren zu charakterisieren? Womöglich
wechselt der Freund im Kampf die Seiten. Wahrscheinlich gibt es
Charaktere, die im Kampf sterben. Zeig den Lesern, wie sie sterben ,
dann musst du es nicht hinterher erzählen (Show Don’t Tell). So
können deine Leser auch viel besser mitleiden und dem Ausgang des
Kampfes entgegen bangen.
Bedenke
dabei:
Jede Szene muss die Handlung vorantreiben und einen Konflikt
enthalten. Welche Szenen enthalten mehr Konflikte als Kampfszenen? In
einem Kampf steht etwas auf dem Spiel. Nutze dieses Mittel der
Spannung, dann kann dein Leser das Buch gar nicht mehr zuschlagen.
Wichtig
ist also der Grund des Kampfes. Es muss etwas sein, dass existenziell
ist: Das Leben, Nahrung, ein Ring – je nach Geschichte kann es
etwas scheinbar banales sein, was durch den Plot und das Ziel der
Prota- und Antagonisten/ der Charaktere an Bedeutung gewinnt.
Wo
wir auch schon bei den Charakteren sind:
Wer kämpft gegeneinander?
Es ist einfacher sich auf zwei wichtige Kämpfer zu konzentrieren,
als das Schlachtfeld „von oben“ zu betrachten und alles
beschreiben zu wollen.
In
welchem Zustand befinden sich die beiden?
Sind sie schon verletzt,
weil es nicht der erste Kampf in dieser Schlacht ist? Sind sie gerade
aus dem Bett gefallen und noch schlaftrunken oder gibt es eine
Kneipenschlägerei und sie sind wirklich betrunken? Sind sie
trainiert, haben Kampferfahrung?
Deine
Perspektivfigur in der Kampfszene (muss nicht gleich der Protagonist
des Romans sein) ist unwahrscheinlich ein Ninjakämpfer, der jeden
Schlag schon Minuten im Voraus erahnt. Lass ihn schwächeln, daneben
treten und stolpern. Das macht ihn zwar angreifbar, aber der Leser
merkt: „Oh, das hier ist keine einfache Sache.“ Und auch der
Antagonist muss nicht übermächtig sein. Gut, er sollte nicht in der
ersten Begegnung mit deinem Protagonisten fallen, aber die ein oder
andere Wunde kann ihm schon zugefügt werden. Vielleicht unterschätzt
er seinen Gegner. Das macht die Wut des Antagonisten im finalen Kampf
vielleicht größer. Auch der Leser weiß, die Rache ist dem Helden
gewiss. Eine Narbe von seinem Feind lässt sich auch nicht jeder
gefallen.
Gut,
die beiden stehen sich nun gegenüber. Wie kämpfen sie? Es ist
unwahrscheinlich, dass sie bis an die Zähne bewaffnet sind, es sei
denn, sie ziehen bewusst in einen Kampf. Doch auch dort kann man
seine Waffe verlieren oder sie kann zerstört werden. Und nun?
Einfach so eine Waffe auftauchen lassen ist nicht sehr befriedigend
für den Leser. Lass deinen Prota über einen Stein oder eine Wurzel
stolpern, die er dann später gebrauchen kann. Führe Hilfsmittel
schon früh und nahezu unbemerkt ein und lass die Umgebung nicht
außer acht.
Und
wo kämpfen sie?
Der Ort kann auch sehr ausschlaggebend für die
Hilfsmittel sein. In einer Kneipe stehen wahrscheinlich einige
Flaschen und Gläser herum. Man kann sich gegenseitig Gäste
zustoßen, um den anderen zu verwirren, Stühle und Tische werfen,
Messer und Gabeln schleudern. Erst das Umfeld macht den Kampf so
richtig interessant.
Die
nächste wichtige Frage ist, wie geht der Kampf aus? Ich erinnere
mich noch genau daran, wie im letzten Hobbitteil liebgewonnene
Charaktere im Kampf starben. Es ist seltsam, wenn niemand in einem
Kampf stirbt oder verwundet wird. Vielleicht erwischt es den
Protagonisten, vielleicht nur eine Nebenrolle. Wenn dieser Tod
wichtig ist, dann unbedingt „die Kamera draufhalten“.

Die
Feinheiten

Genau
wie in jeder anderen Szene ist es wichtig, den Leser mitfühlen zu
lassen. Sei ganz nah bei deinem Charakter – wechsle nicht in jedem
Absatz die Perspektive. Was denkt der Charakter, was fühlt er?
Beschreibe mit allen Sinnen (sehen, hören, riechen, fühlen,
schmecken). Versetze dich in deinen Charakter hinein. Stell dir vor,
du findest dich plötzlich in so einer Szene wieder, das Adrenalin
rauscht und du fokussierst deine ganze Aufmerksamkeit auf den Gegner.
Du willst auch noch jede kleinste Bewegung wahrnehmen. Doch trotzdem
passiert etwas um die beiden Fokuskämpfer herum. Plötzlich fliegt
vielleicht ein abgehackter Kopf zwischen den Kämpfern hindurch –
beide sind kurz verwirrt, keiner weiß, woher dieser kommt – und
dann geht es weiter.
Ein
weiterer Punkt ist das Tempo. In einem Kampf passiert viel und vieles
passiert schnell. Versuche die Eindrücke so gut wie möglich
wiederzugeben. Versetze dich in deine Figuren hinein. Hat er
überhaupt die Gelegenheit sich großartig Gedanken über das was er
tut zu machen? Wahrscheinlich wird er die Schreie, die er zuerst noch
hörte, nach und nach unbewusst ausblenden, um sich nicht ablenken zu
lassen. Konzentriere dich auf das Wichtige. Eine Kampfszene kann
nicht unendlich lang sein: Stell dir vor, ein 450 Seiten Roman
enthält 400 Seiten Kampfszenen – dein Leser würde einen
Herzinfarkt bekommen; wenn du gut bist. Doch wahrscheinlich legt er
das Buch schnell wieder aus der Hand. Auf eine Kampfszene sollte
mindestens eine sanftere Szene folgen – auch in actiongeladenen
Geschichten.
Hilfreich
sind auch knappe Sätze ohne viele Füllwörter, die den Lesefluss
hemmen. Nicht beendete Sätze können den Eindruck der
Geschwindigkeit noch verstärken. Du kannst auch mit dem Tempus
spielen: Präsens kann das Erleben des Kampfes noch unmittelbarer
machen, auch wenn diese Zeitform im Gegensatz zum Rest der Geschichte
steht. Vermeiden solltest du lang konstruierte Zeitformen.

Hilfen

Vielleicht
hilft dir Musik zum Schreiben. Du kannst dir eine Playlist mit Musik
zusammenstellen, die dich zu Kampfszenen inspiriert. Besonders
hilfreich finde ich Filmmusik, speziell die zu Schlachten oder
Kämpfen. Da schwingt so viel Energie und Power mit.
Eine
andere Möglichkeit ist, sich Bücher mit Kampfszenen herauszusuchen
und diese Textstellen besonders aufmerksam zu lesen. Wie beschreibt
der Autor die Handlung, womit kämpfen die Figuren und wie führt er
diese Gegenstände ein? Wie wird die Umgebung beschrieben? Sind die
Sätze kurz oder eher lang, gibt es Dialoge?
Natürlich
sollte man sich auch möglichst professionell mit verschiedene Waffen
oder Kampftechniken auseinandersetzen, zum Beispiel in Foren,
Fachhandbüchern oder persönlich mit Menschen, die bestimmte
Kampfkünste ausüben, wenn man sich nicht den Kritiken von
sogenannten Experten aussetzen möchte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.