Tätigkeiten während den Dialogen beleben das Gespräch

Veröffentlicht von Thomas Williams am

Erinnerst du
dich an deine letzte Unterhaltung? Ganz bestimmt, oder? Und auch daran, worum
es ging. Aber weißt du auch noch, was du während dessen getan hast?

Wenn wir
Menschen uns unterhalten, stehen wir nicht da wie Salzsäulen, welche den Mund
auf und zu machen. Wir bewegen uns, sei es auch nur minimal. Wir gestikulieren,
zeigen irgendwo hin, greifen wonach oder spritzen unseren Gesprächspartner mit
dem Gartenschlauch ab.  

Kurz gesagt:
Wir befinden uns in ständiger Bewegung, sogar dann, wenn wir uns
gegenübersitzen und einfach nur ein Gespräch führen. In Geschichten lässt dies
die Unterhaltung lebendiger wirken. Stell dir vor es wäre nur A sagt, B sagt, A
sagt, B sagt. Das ist nicht nur langweilig, sondern strengt tatsächlich auch
an.
Wäre es
nicht viel unterhaltsamer, wenn A und B sich bewegen?
Hier mal ein
Beispiel. Die Namen der Figuren haben wir ja schon fast. Stellen wir uns nun
vor, dass Albert und Beate im Wohnzimmer vorm Fernseher sitzen, als plötzlich
eine Ratte vor selbigem hockt.
„Oh, mein Gott! Da ist eine Ratte!“, schrie
Beate plötzlich und fuhr in ihrem Sessel hoch. „EINE RATTE!“
Albert, der eben noch in seine Zeitung
vertieft war, schaute erst auf, als das pelzige Ding sich schon hinter dem
Flimmerkasten verkrochen hatte.
„Was schreist du denn hier so rum? Die war
doch nur im Fernsehen!“
„Nein, war sie nicht. Sie hat da vorne
gehockt!“ Beate zeigte auf die Stelle vor dem Fernseher, während sie auf ihren
Sessel kletterte.
„Ich sehe da nichts.“
„Sie hat sich versteckt.“
„Ach, jetzt hör aber auf. Wo soll denn eine
Ratte her kommen? Hier hat es noch nie Ratten gegeben.“
„Da war aber eine. Bitte sieh doch nach.“
Beate schien den Tränen nahe zu sein, trat von einem Fuß auf den anderen und
Albert erhob sich schwerfällig aus seinem Sessel. Mehr aus Angst, sie könnte
stürzen und sich das Genick brechen, als wegen der Tatsache, da könnte wirklich
eine Ratte hocken.
Er hielt die zusammengerollte Zeitung in der
Hand. „Wenn es dich beruhigt.“
„Ja, das tut es! Aber sei vorsichtig, dass
sie dich nicht beißt. Wer weiß schon, was für Krankheiten diese Biester
übertragen?“
„Ich passe ja auf, Herr Gott.“
„Oder ruf den Kammerjäger.“
„Den brauche ich nicht.“ Albert klopfte mit
der Zeitung in seine Handfläche.
„Willst du sie etwa damit erschlagen?“
Albert grinste. „Sie nicht.“
„Was soll das denn heißen?“
Wie du
siehst, musst du nicht ununterbrochen beschreiben, was deine Figuren tun, aber
es ist wichtig es alle paar Zeilen zu machen. Auch, wenn es nur Kleinigkeiten
sind. Beate hätte im Sessel sitzen bleiben können, aber sie ist in Panik und
will weg von der Ratte. Albert rollt die Zeitung in seinen Händen zusammen und
am Ende grinst er frech. Schon die Beschreibung der Mimik deiner Charaktere
lässt die Szene ausgefüllter wirken. Du siehst sie vor dir, also beschreibe, ob
sie das Gesicht verziehen, lächeln, sich die Lippen lecken oder die Augen
verdrehen.
Es mögen
Kleinigkeiten sein, aber sie sind wichtig, da sie den Leser auch tiefer ins
Geschehen ziehen. Gleichzeitig lassen sie deine Figuren menschlicher und
lebendiger wirken.
Oh und die
Ratte?
Die hat Albert
eins mit seiner Zeitung übergezogen und sich in seinen Sessel gesetzt.
Ende.
Kategorien: Schreibnacht

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