Gastbeitrag: Tipps gegen Schreibblockaden

Veröffentlicht von Carolin Grotjahn am

Jene, die sie kennen, fürchten sie vielleicht wie ich: die Schreibblockade.
Wenn widerstreitende Gefühle aufeinandertreffen, ist sie oft nicht sehr fern. Vielleicht fällt es nur schwer, den Anfang zu finden oder den Übergang zwischen zwei Szenen. Es gibt viele solcher Szenarien, die dazu führen können: der Angst vor der leeren Seite. Jeden kann es treffen. Prominente Beispiele wären da Robert Musil oder Ernest Hemingway.
Aber was tun, um sie zu überwinden?

1. Eine ruhige Umgebung schaffen

Telefon, Internet, vielleicht auch Musik: das alles können Störquellen sein. Mir hilft es oft, für Ruhe zu sorgen, da ich dann meine eigenen Gedanken besser höre.
Man sollte sich Zeit und Raum zum Alleinsein schaffen, denn Schreiben ist einfach eine Beschäftigung, die man allein verrichtet. Wenn es geht, sollte man Familie oder Mitbewohner für ein oder zwei Stunden um Ruhe bitten.
Ansonsten kann auch ein Ortswechsel helfen (Café, Bibliothek, Gartenhaus, …).

2. Mut zur Imperfektion

Stellt man zu hohe Anforderungen an seine Erstfassung, kann das blockieren. Umformulieren, korrigieren und daran feilen: das kommt alles hinterher. Man muss akzeptieren, dass man zuerst einmal schlecht schreibt – nein, man sollte sich erlauben. Hauptsache ist, dass man einen Text bekommt, mit dem man dann arbeiten kann. Im seltensten Fall ist die Erstfassung auch die letzte Fassung.
Fällt es trotzdem schwer, zu beginnen, weil man den perfekten ersten Satz sucht, kann man auch mittendrin anfangen und sich den Anfang für später aufheben.

3. Warmschreiben

Erstmal einen kleinen Spontantext zur Lockerung. Gedicht oder Beschreibung. Egal. Hauptsache man fängt an.
Auch regelmäßiges Schreiben hilft. Ich nutze gern die Technik „Freewriting“ (freies Schreiben). Einfach alles rauslassen und dem Gedankenstrom folgen – egal, was dabei herauskommt.
Fünfzehn Minuten am Tag reichen schon, aber natürlich kann man auch gern mehr schreiben.
Kann man sich zudem noch eine feste Zeit einrichten, stellt sich nach einem Monat eine feste Gewohnheit ein und das Gehirn schaltet zu dieser Zeit fast automatisch auf ‚Schreiben‘ um.

4. Einlesen

Nimm dir ein Buch deines angestrebten Genres und lies dich ein, um in Stimmung zu kommen. Überhaupt sollte man immer aufmerksam lesen und sich dabei vielleicht im Hinterkopf fragen, was weshalb gefällt oder nicht gefällt. Wieso rührt diese Szene, warum lässt eine andere kalt und erscheint unglaubwürdig? Davon kann man für sein eigenes Schreiben lernen.

5. Recherche

Hat man nicht genug Informationen, kann diese Unsicherheit blockieren. Gute Vorarbeit hilft oft weiter. Am besten hat man sie immer griffbereit in der Nähe, um schnell nachschlagen zu können.

6. Gliederung

Teile den Berg in kleine, schaffbare Abschnitte, um die Übersicht zu behalten. Teilüberschriften und Stichpunkte reichen. Man sollte kennen, was man schreiben wird: skizziere die nächste Szene vorher, damit du schon vorher eine falsche Richtung erkennst und sie korrigieren kannst. Welches Ereignis führt wozu? Wie fängt der Dialog an, was ist das Ergebnis? Nur fünf Minuten können eine Menge Ärger ersparen.

7. Bewegung

Eine Runde spazieren gehen hilft schon. Oft kommen die Gedanken in Bewegung, wenn der Körper in Bewegung ist. Man sollte sich dabei etwas beruhigen, denn wenn man nur an etwas reißt und zerrt, führt es auch zu nichts.

8. Rote Flagge

Vielleicht rührt der Stillstand daher, dass dir etwas nicht gefällt. Behandele es als Warnung und prüfe das Anstehende nochmal – ist die Szene langweilig oder sind die Charaktere ganz woanders?
Im schlimmsten Fall funktioniert die Szene nicht und man sollte es akzeptieren und weitermachen, anstatt ewig darüber zu brüten.

9. Was ich eigentlich meine (W.i.e.m.)

Wenn der Satz einfach nichts wird, frage dich „W.i.e.m.“ und schreibe es dann so auf. Man kann später immer noch an dem Satz feilen und ihn besser ausdrücken, aber ‚W.i.e.m.‘ hilft über den Moment hinweg.

10. Notizen

Besorge dir ein Notizbuch, das du immer mit dir herumträgst. Größe und Ausstattung sind dir selbst überlassen. So bist du allzeit bereit, Ideen aufzuschreiben. Werde ein Sammler und schaffe dir einen Ideenpool, aus dem du immer schöpfen kannst. Auch einfache Dinge aus dem Alltag: ein Satz im Bus, eine Situation an der Kasse – wer weiß, wann man es gebrauchen kann.

Die Gastautorin: Isabell Dieckmann

Mein Name ist Isabell Dieckmann und ich wurde am 6.August  1990 in
Bielefeld geboren, aber um ehrlich zu sein, verorte ich meine Heimat in
der Altmark, in der ich aufgewachsen bin. Im Moment lebe ich in Leipzig.
Schon
von klein auf war ich von Märchen und Geschichten fasziniert, sodass
meine Mutter sie mir nie oft genug vorlesen konnte. Am Ende konnte ich
meine Lieblingsmärchen sogar auswendig, bevor ich überhaupt lesen
konnte. Später entwickelte sich vor allem meine Liebe für Fantasy, aber
auch Jane Austen, Oscar Wilde und Sir Arthur Conan Doyle gehören zu
meinen Favoriten.
Es dauerte noch eine Weile, bis ich das
Schreiben für mich entdeckte. Nachdem ich mit sechzehn einen eher
enttäuschenden Roman beendet hatte, kam mir der Gedanke: „Das kann ich
besser!“ und seitdem sind weder Stifte, noch Papier, noch Tastatur vor
mir sicher.
Gegenwärtig arbeite ich vorwiegend an Kurzgeschichten und recherchiere für mein Romanprojekt.


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