„Hallo, Welt!“: Eine Einführung zur eigenen Autorenwebsite

Veröffentlicht von Aurelia am

„Hallo, Welt!“ – Moderne Autor*innen – gerade Selfpublisher – kommen heutzutage fast nicht mehr ohne eigene Website aus. Und warum auch nicht? Nie war es so einfach, seine eigene Seite online zu stellen. Sei es, um über den eigenen Schreibprozess zu bloggen oder einfach nur die eigenen Kontaktdaten für Blogger oder Presse bereit zu stellen – früher oder später denken wahrscheinlich die meisten Autor*innen über eine eigene Website nach. Aber worauf sollte man achten? Muss man programmieren können? Und wie komme ich klar, wenn ich nichts davon kann und auch keine Zeit habe, diese Dinge zu lernen? Fragen über Fragen. Aber keine Panik: Nichts davon ist so schwer, wie es zu Beginn wirkt und durch ein paar der wichtigsten Dinge, die es zu wissen gibt, werde ich euch in diesem Post führen.

Kleiner Exkurs vorneweg: Bitte schnallen Sie sich an und ändern sie ihre Passwörter!

Auch bei der eigenen Website gilt: Safety first. Das klingt simpel, ist simpel, verlangt aber gleichzeitig ein paar grundlegende Regeln, die gerne unterschätzt werden. Deshalb nur ein paar kleine Hinweise ohne Gewähr zu den wichtigsten Dingen, allen voran: Passwörter. Kein Passwort zwei Mal benutzen, benutzt am besten Halbsätze mit ein paar Zahlen oder Sonderzeichen, weil die automatisch mehr Zeichen benötigen als nur ein Wort und gleichzeitig besser zu merken sind, und benutzt einen Passwortmanager wie z.B. KeePass. Programme wie KeePass haben schlicht den Vorteil, dass ihr damit eure Passwörter sicher speichern könnt und euch nur ein Masterpasswort merken müsst, um auf eure Passwortsammlung zuzugreifen. Denn „Wer könnte mich schon hacken wollen?“ ist kein Argument. Ein automatisches Programm, das z.B. einfach WordPress-Seiten abgrast und blind einfach mal ausprobiert, wo es leicht in eine Seite reinkommt, kümmert es nicht, ob ihr ein lukratives Ziel seid. Die Videospielentwicklerin Zoe Quinn, die als Opfer einer Hassbewegung gegen sie unzählige Male digital angegriffen wurde, nennt diese Dinge in ihrem Buch „Crash Override“ sehr passend „Internet Hygiene“. Die meisten Sicherheitsmaßnahmen sind schon getan, indem man seine eigene Internetpräsenz und die diversen Accounts, die wir alle ansammeln, so sauber und getrennt wie möglich hält: Verschiedene Passwörter, nicht überall derselbe Username, nicht nur eine E-Mail-Adresse und wo Zwei-Faktor-Authentifikation angeboten wird, auch die nutzen. Solltet ihr je an einer Stelle, z.B. eurer E-Mail-Adresse, gehackt werden, verhindert ihr so, dass die hackende Person auch an alles andere kommen kann. Das gilt nicht nur, aber auch für eure Präsenz als Schreibende im Netz und auch für eure Websites. Diese Informationen nur als kleiner Abriss vorneweg, aber dennoch: You have been warned.

Teil 1: Blogger, WordPress oder ganz etwas anderes?

Eigentlich ist eine Website auch nur eine Sammlung von Dateien, die euer Browser euch anzeigen kann. Wenn ihr also gerade diese Seite hier offen habt, dann ist das im Grunde gar nicht so viel anders als das Öffnen eures Manuskripts als PDF. Um die einzelnen Seiten anpassen zu können, braucht ihr ein entsprechendes System, das euch erlaubt, euch irgendwo einzuloggen und die richtige Seite zu bearbeiten. Von diesen Systemen gibt eine Menge, aber die drei, die für den eigenen Autorenblog wahrscheinlich am sinnvollsten und gängigsten sind, sind Google Blogger (Blogspot), WordPress und WordPress.com. Wenn ihr gar nicht wisst, was ihr hier gerade tun wollt, sind diese drei schon allein deshalb die beste Anlaufstelle, weil sie eine große Userschaft und damit viele Tutorials im Netz bieten. Es gibt wahrscheinlich kaum ein Technik-Problem, das ihr als erste und einzige haben werdet und für diese Systeme werdet ihr selbst im worst case immer jemanden finden, der euch helfen kann.

Die wichtigste Frage, die ihr euch zuerst stellen solltet, ist die: Kann und will ich Geld in meine Website investieren? Und wie hoch dürfen eventuelle laufende Kosten sein? Im Idealfall legt ihr euch eine eigene Domain zu und hostet selbst, allerdings kostet sowohl das eine als auch das andere monatlich Geld. Es ist möglich, auch ohne diese Investition über Blogger oder wordpress.com einen eigenen Autorenblog zu veröffentlichen, aber im Schnitt gibt euch WordPress mehr Freiheiten und Möglichkeiten. Diese Frage müsst ihr nur für euch zuerst klären, um entscheiden zu können, ob selbst zu hosten überhaupt eine Option ist. Faustregel: Wenn ihr die Möglichkeit habt, selbst zu hosten, tut das.

Google Blogger (Blogspot)

Auch wenn Googles Blogging-Dienst einen schlechten Ruf hat, ist Blogger im Zweifelsfalls halb so schlecht wie gerne gesagt wird und es gibt noch immer auch erstaunlich große Websites, die damit betrieben werden. Standardmäßig erkennt ihr Blogger-Blogs an der blogname.blogspot.de-URL, aber es lässt sich auch eine eigene Domain mit diesen Blogs verknüpfen. Die beiden entscheidenden Vorteile Bloggers sind vor allem die: Es ist kostenlos und die Templates sind in XML geschrieben.
XML könnte man einfach als den großen Bruder von HTML beschreiben, wobei die Ähnlichkeit beider für Anfänger so groß sein dürfte, dass vielleicht sogar Zwillingsbruder der bessere Vergleich wäre. Das hat in erster Linie den Vorteil, dass es am Anfang sehr leicht ist, durch learning by doing am eigenen Code herauszufinden, wie man den Look der eigenen Seite entsprechend seinen eigenen Wünschen anpasst. Außerdem ist zwar die deutsche Blogger-Community längst nicht mehr so aktiv wie früher, aber so gut wie alle alten Tutorials, die inzwischen zum Teil bis zu 8-9 Jahre auf dem Buckel haben, lassen sich noch immer anwenden.

Seid ihr also bereit, den Umgang mit dem Code zu lernen oder habt euch sogar schonmal etwas ausführlicher mit XML beschäftigt, während gleichzeitig der Betrieb eurer Seite nichts kosten soll, ist Blogger keine schlechte Option. Blogger lässt sich auch günstig mit eigener Domain verwenden und später zu WordPress umziehen, solltet ihr erst einmal einen Test ohne laufende Kosten wagen wollen.

WordPress und WordPress.com

WordPress – Achtung: Nicht wordpress.com! – ist eine der beliebtesten Softwares, wenn ihr selbst hosten möchtet. Dazu braucht ihr einen Server, den ihr von einem Anbieter wie z.B. all-inkl, 1&1 o.ä. mietet und auf dem eure Website dann liegt. WordPress zu installieren, ist sehr einfach und ohne größere technische Kenntnisse möglich. Wenn ihr auf Nummer sicher gehen wollt, bieten die meisten größeren Anbieter auch entweder Tarife an, die speziell für WordPress ausgelegt sind, oder haben sowieso Tutorials mit Screenshots auf ihren Websites. In jedem Fall: An der Installation scheitert niemand. Einmal am Laufen kann WordPress Dank der vielen Plugins, die es dafür gibt, sowohl mit als auch ohne viel technisches Wissen sehr mächtig sein und ist vor allem mit jedem Wissensstand leicht zu bedienen und für sich zu nutzen. Wenn ihr selbst hostet, ist WordPress sicher eine gute Wahl.
Die nicht selbst gehostete Variante von WordPress ist wordpress.com. Das nimmt sich fast nichts mit Google Blogger außer dass es euch in der kostenlosen Version nicht an den Code lässt. Das kann euch Sicherheit geben, wenn ihr Angst habt, mit jedem Klick etwas kaputt zu machen, schränkt aber in der Praxis auch sehr ein.

Was denn nun?

Im Grunde lässt sich die Auswahl aus diesen Systemen anhand von ein paar wenigen, einfachen Fragen klären. Kann und will ich Geld investieren und selbst hosten? Ja? WordPress. – Nein? Blogger oder WordPress.com. Will ich trotzdem Anpassungen und Änderungen am Design vornehmen können, selbst wenn das u.U. ein Einarbeiten in den Code bedeutet? Ja? Blogger. Nein? WordPress.com.

Teil 2: Design, Themes und Templates

Das Design eurer Website ist zwar oberflächlich eher eine optische als eine technische Entscheidung, allerdings solltet ihr, wenn ihr WordPress oder Blogger nutzt und dann z.B. kostenlose Designs aus dem Netz nutzen wollt, doch auf ein paar Dinge achten. Zunächst einmal spricht man bei Blogger von „Templates“ und bei WordPress von „Themes“, auch wenn beides im Grunde dasselbe, nämlich das Design einer Website in Form von Template-Dateien, meint. Der Einfachheit halber spreche ich hier immer von Designs, aber wenn ihr euch in die Tiefen des Internets auf die Suche nach einem passenden Template begebt, solltet ihr das für euer System richtige Wort benutzen.

Wo gibt es überhaupt Designs und worauf muss ich achten?

Kostenlose wie kostenpflichtige Designs gibt es, wie alles, Unmengen im Netz und lange Listen sind normalerweise nur eine Googlesuche entfernt. Wie immer bei Downloads aus dem Internet solltet ihr allerdings darauf achten, dass eure Quelle seriös ist, ganz besonders bei kostenlosen Designs. Auch Programmierung ist Handwerk und nicht jede Person, die ein Design online stellt, hat ihre Arbeit vorher gut gemacht. Wenn es unbedingt kostenlos sein muss, nutzt eines der Standarddesigns oder prüft eure benutzte Quelle genau und rechnet im worst case damit, dass die eine oder andere Sache vielleicht doch nicht funktioniert. Bei extern bezogenen Designs empfiehlt es sich aber grundsätzlich, eher zu einem kostenpflichtigen Template oder Theme mit Support durch die Person, die es entwickelt hat, zu greifen. Das hat den Vorteil, dass ihr zwar einmalig etwas Geld investieren müsst, dafür aber gegebenenfalls jemanden an der Hand habt, der sich auskennt. Sowohl grundsätzlich als auch mit dem Code dieses speziellen Designs. Auch hier gilt: Für Qualität zu bezahlen lohnt sich unter Umständen sehr.
Worauf ihr auch dringend achten solltet, ist, dass ein Design „mobile friendly“ oder „responsive“ ist. Das bedeutet, dass es darauf ausgelegt ist, auch an Smartphones und anderen mobilen Geräten bedient zu werden. Ist eure Seite mobil nicht nutzbar, habt ihr quasi schon verloren, und auch wenn die meisten Designs heutzutage automatisch als mobile friendly konzipiert und programmiert wurden, ist es gut, auch darauf ein wenig zu achten, weil wie immer auch in dem Punkt viel schlechter Code durchs Netz geistert.

HTML, CSS, JavaScript, jQuery, php … Äh, was?

Meistens müsst ihr kein Vorwissen mitbringen, um eure eigene Website einzurichten, manchmal kann es aber hilfreich sein, sich nach und nach ein bisschen Wissen anzueignen. Dafür eignen sich Tutorials oder Online-Kurse wie auf Codeacademy sehr gut, die anfängerfreundlich und informativ sind. Solltet ihr längerfristig bloggen oder eure Website betreiben, kommt ihr nicht drum herum, euch ein paar Grundlagen anzulesen oder alternativ ab und zu einen Profi um Hilfe zu bitten oder zu engagieren. Dafür gibt es auch inzwischen Dienste wie z.B. Social Reading, aber auch das kann natürlich je nach Budget eine Kostenfrage sein.

Randbemerkung: An https führt kein Weg vorbei

Solltet ihr eine eigene Domain nutzen oder sogar selbst hosten, wird auch relevant, ob eure Domain SSL-verschlüsselt ist, d.h. ob die mit https://meinedomain.de oder http://meinedomain.de aufgerufen wird. In den meisten Browsern wie Firefox oder Chrome sind Seiten mit https derzeit mit einem grünen Schloss gekennzeichnet, das symbolisieren soll, dass diese Seite sicher ist. https ist in erster Linie eine Sicherheitsmaßnahme, die über die Seite gesendete und empfangene Daten verschlüsselt. Wenn ihr WordPress nutzt, umfasst das auch eure Loginseite und damit eure Logindaten, aber auch Kontaktformulare o.ä. betrifft diese Verschlüsselung.
Inzwischen ist bei Standarddomains von Blogger und wordpress.com SSL bereits aktiviert, bei Custom Domains bietet Blogger inzwischen auch eine kostenlose Verschlüsselung an und wenn ihr selbst hostet, müsst ihr SSL eventuell noch einmalig bei eurem Hoster aktivieren. Sollte bei eurem Tarif kein SSL dabei sein, wäre das vielleicht ein Grund, darüber nachzudenken, den Anbieter zu wechseln, denn eigentlich sollte das immer dabei sein. Denn auch jenseits von allen Fragen nach Sicherheit will z.B. Google unverschlüsselte Seiten im Suchmaschinenranking abstrafen und es gibt auch sonst kaum einen vernünftigen Grund, im Jahr 2018 den eigenen Blog nicht zu verschlüsseln.

Faustregeln: Qualität kostet, Safety first und Profis fragen

Damit ist das gesamte Thema der eigenen Webpräsenz zwar erst einmal nur angerissen, aber mit ein paar dieser Tipps solltet ihr die ersten Schritte wagen können sollen. Was hier komplett fehlt, sind allerdings – nachdem ich keine Juristin bin und dementsprechend niemanden juristisch beraten kann – alle rechtlichen Dinge wie z.B. die Impressumspflicht oder die DSGVO. Zwar gilt, dass ihr grundsätzlich immer sicherer fahrt, je weniger Userdaten ihr erhebt, aber dieser Bereich ist für sich bereits komplex genug und würde für eine Einführung in die ersten Schritte zur eigenen Website zu weit führen. Aber wenn ihr euch aus diesem Artikel drei Dinge merken solltet, dann die: Qualität kostet, Safety first und fragt im Zweifelsfall Profis, die wissen, was sie tun. Dann kann euch fast nichts passieren.


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