Spannungsvolle Übergangszenen schreiben

Veröffentlicht von Thomas Williams am

Weil wir vom Schreibnacht-Magazin so nett sind, nehmen wir
auch vorgeschlagene Themen an. Diesmal geht es um Übergangsszenen. Also
Stellen, an denen die Charaktere mal nicht um ihr Leben fürchten müssen,
sondern auf den Bus warten oder so.

Ich persönlich nutze diese gerne, um eine spannende Szene
noch mehr zu steigern. Stell dir vor, dein Held hängt an einer Klippe. Er hält
sich mit seinen Fingern fest und sein Gegner droht, auf sie drauf zu treten.
SCHNITT!!!
Wir befinden uns bei Tante Erna in der Küche und schauen ihr
beim Apfelkuchen backen zu. Das klingt vielleicht nicht besonders spannend (es
sei denn, es ist ein fleischfressender Apfelkuchen, wovon Tante Erna nichts
weiß und gerade wendet sie ihm den Rücken zu, als…), aber dadurch, dass wir
vorher einen Cliffhanger erzeugt haben (im wahrsten Sinne des Wortes sogar),
wirkt diese Szene schon wieder ganz anders.
Klar, sie ist nicht so aufregend zu
schreiben wie der Kampf an der Klippe, aber stell dir dabei einfach den Leser
in dir selber vor. Du willst unbedingt wissen, wie es weitergeht, doch vorher
musst du dieses Zwischenspiel hinter dich bringen. Das sorgt dafür, dass der
Leser weiter liest.
Im Grunde ist diese
Stelle also spannend, obwohl nichts passiert.
Solltest du keinen Cliffhanger haben, kannst du diese Szenen
trotzdem nutzen, um deine Handlung voranzutreiben oder deine Figuren weiter
auszubauen und vorzustellen. Du sollst sie ja nicht ins Wartezimmer schicken,
wo sie in einer langweiligen Illustrierten blättern. Es sei denn, du schreibst
Arztromane…
Überleg dir, was wichtig für die Handlung ist. Versetz dich in
deinen Charakter und überleg, was ihn antreibt und was er an dieser Stelle wohl
am ehesten tun würde. Kommst du nicht weiter, schreib zuerst einmal das Nötigste und fahr dann fort.
Später wirst du die Geschichte noch mal überarbeiten und
überrascht darüber sein, wie viel du noch hinzufügen kannst – denn im Laufe der
Geschichte fallen dir immer mehr Dinge ein, die du vielleicht etwas frühr
hättest erwähnen sollen. Notier sie dir und füge sie später hinzu.
Dein erster Entwurf muss nicht perfekt sein und wenn er
wirkt wie eine einzige Achterbahnfahrt, dann ist das eben so. Danach hast du
noch genügend Zeit, es dir noch einmal in Ruhe durch den Kopf gehen zu lassen
und dann werden dir nach und nach Dinge ins Auge springen, an denen du noch zu
feilen hast.
Ich gebe ganz ehrlich zu, dass ich auch versuche, solche
Stellen schnell hinter mich zu bringen. Sie sind aber auch unumgänglich. Der
Leser braucht eine Verschnaufpause, weil es sonst irgendwann nicht mehr
spannend ist.
Gerne schreibe ich eine aufregende Anfangsszene, geh vom Gaspedal
runter, erhöhe das Tempo noch etwas, schalte noch einmal runter (aber hier ist
die Handlung schon in vollem Gange und es fällt viel leichter ruhige Stellen zu
schreiben) und danach rase ich mit 100kmh zu viel durch die Radarfalle.
Im
Grunde sind die ersten Übergangszenen die schwierigsten, denn hier müssen wir
Handlung und Charaktere aufbauen, aber für den Leser sind sie trotzdem interessant,
denn was wir schon längst wissen und jetzt nur zu Papier bringen, ist für ihn
noch vollkommen neu.
Als Autor solltest du viel lesen. Sieh dir an, wie andere so
etwas bewerkstelligen und was dir daran gefällt. Du sollst es nicht 1:1
kopieren, aber du kannst daraus lernen. Und später wirst du deine eigene Art
und Weise gefunden haben, mit Übergangsszenen umzugehen.

2 Kommentare

Jen June Equal · 20. Januar 2014 um 11:59

Ich mag diese Übergangsszenen eigentlich am liebsten – da können die Charaktere ihre Schokoladenseite zeigen. Mein Mittel, um Übergangsszenen leserbindend über die Bühne zu bekommen: Lustig sein (oder sich zumindest bemühen).
Beispielsatz (ganz frisch geschrieben, achtung, warm!)

"Zwischen den schattenspendenden Bäumen lag eine eher schmale Pflasterstraße, auf der hier und da Hundekot lag. Ihr Nachbar Velmont räumte ihn als einziger nicht weg, und jeder wusste das, einmal abgesehen von Velmont."

Ich mag die Trainingseinheiten in Harry Potter, Tribute von Panem und Co. meistens lieber als die epischen Kämpfe und das Überleben in der Arena. …
LG, ~ Jen

Frederik Weitz · 20. Januar 2014 um 16:29

Schön! Ich habe gerade etwas Ähnliches in meinem Video-Kurs zum Plotten veröffentlicht: http://www.youtube.com/watch?v=3H4opdoxqBU

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