Wie man glaubhafte Charaktere entwirft

Veröffentlicht von Sabrina S. am

Die Charaktere sind der Kern einer
Geschichte. Sie lebt und stirbt mit ihnen. Darum ist es besonders
wichtig, dass man Figuren entwirft, mit denen der Leser sich
identifizieren kann. Das kann er nur, wenn die Personen glaubhaft
sind. Doch wie gestaltet man glaubhafte Charaktere? Hier ein paar Tipps, auf was man als
Autor besonders Wert legen sollte:


Die Eigenschaften:
Das Wichtigste ist, dass die Personen
verschiedene Facetten zeigen. Dreidimensionalität ist hier das
richtige Stichwort. Denn Menschen (oder menschenähnliche Wesen) sind
dafür bekannt, dass sie sich manchmal auch widersprüchlich
verhalten. Das hängt mit ihren Charakterzügen zusammen. Jeder
besitzt andere Eigenschaften und das ist es, was uns ausmacht.

Damit eure Figuren Individuen werden,
müssen sie Wesensmerkmale aufweisen, die sie hervorstechen lassen.
Hier liegt die Betonung auf dem Plural. Ist eine Figur
eindimensional, kann man meist wenig mit ihr anfangen. Ordnet man ihr
allerdings mehrere Eigenschaften zu, lässt sie das real wirken.
Jedoch nur, wenn sie positive wie negative Seiten besitzt.
Eine freundliche Person kann zum
Beispiel rasend eifersüchtig werden. Oder eine ängstliche
mitfühlend gegenüber ihren Mitmenschen sein. Es gibt wahnsinnig
viele Kombinationen von Charaktermerkmalen, die logisch sind. Selbst
Gegensätze funktionieren in bestimmten Situationen – diese sollten
sich allerdings nicht häufen, sonst kann der Leser das wahre Wesen
der Figur irgendwann nicht mehr erkennen.
Selbst Klischees kann ein Autor
verwerten, um Glaubhaftigkeit darzustellen. Oft wirken die Zicken und
Machos und Nerds ziemlich überzogen mit ihren führenden
Charaktereigenschaften. Das lässt sich vermeiden, indem man den
Lesern andere Seiten an ihnen zeigt. Sie können diese verstecken
oder erst entwickeln, das ist vollkommen egal. Die Hauptsache ist,
dass sie nicht eindimensional bleiben im Laufe der Geschichte. Ist
dies der Fall, wirken sie meist wenig glaubhaft und damit eher
lächerlich. Diese Wirkung sollte man nur anstreben, wenn man
humoristisch schreibt.
Um Glaubhaftigkeit zu erreichen, ist es
vor allem wichtig, dass sich die Eigenschaften eines Charakters
erklären lassen. Und hier kommen wir zum nächsten Punkt.


Die Vergangenheit:
Jeder Mensch hat eine Vergangenheit.
Diese erklärt, warum jemand so ist, wie er ist. Wenn man einen
Charakter entwirft, sollte man also nicht die Geschichte vor der
Geschichte außer Acht lassen. Nicht alles muss im Laufe des Romans
aufgedeckt werden (vieles ist relativ unwichtig), doch der Leser
sollte erkennen können, wie die Figur zu dem geworden ist, den man
nun auf seinem Weg begleitet.

Besonders prägend ist die Kindheit.
Denn die Erziehung beziehungsweise die Nicht-Erziehung eines Kindes
wirkt sich auf das spätere Verhalten aus. Deswegen ist es für den
Autor wichtig zu wissen, wie und bei wem die Charaktere aufgewachsen
sind. Das sollte man bei der Planung keinesfalls unberücksichtigt
lassen.

Bedeutend kann auch der Bildungsweg
sein, den eine Person durchlaufen hat oder noch durchläuft. Kann
eine Figur lesen, schreiben und rechnen, kann ihn das weiterbringen.
Oder wenn sie sich mit physikalischen Reaktionen auskennt. Oder wenn
sie viel über die Geschichte der Welt weiß. Dabei ist es nicht
relevant, wo die Figur lebt. Schließlich gibt es in historischen
oder Fantasy-Romanen andere Sitten und Lebensumstände, eine andere
Vergangenheit. Über all das Bescheid zu wissen beziehungsweise nicht
Bescheid zu wissen, kann den Fortgang der Handlung immens
beeinflussen.
Die Ziele:
Wenn man die Hintergründe eines
Charakters festgelegt hat, weiß man sehr viel über sein Wesen. Aber
dieses allein wird die Ereignisse noch nicht in Gang setzen. Es muss
also irgendwelche Umstände geben, die die Person zum Handeln
verleiten. Sie entwickelt Ziele, die sie verfolgen wird. Hat ein
Mensch keine Ziele, wird seine Geschichte nicht beeindruckend genug,
um sie zu erzählen.
Klar, es gibt immer wieder Zufälle.
Doch diese werden etwas in der Figur auslösen, das ihr eine
Perspektive im Leben schenkt. Wenn man für etwas kämpft, das einem
wichtig ist, kann der Leser das nachvollziehen. So wirken die
Charaktere umso glaubhafter.
Die Entwicklung:
Wenn man Ziele vor Augen hat, wird man
alles tun, um diese zu erreichen. Oft ist die Person zu Anfang der
Geschichte jedoch nicht stark oder selbstbewusst genug, um bestimmte
Aufgaben zu meistern. Darum sollte sie im Laufe der Handlung eine
Entwicklung durchmachen. Niemand bleibt ein ganzes Leben lang
derselbe Mensch und das muss dargestellt werden.
Eine Entwicklung erklärt zudem einige
Details, die die Geschichte vorantreiben. Menschen verlieben sich
ineinander, sie gewinnen oder verlieren Kämpfe gegen ihre Feinde
oder decken Geheimnisse auf. Die Charaktere werden zu den Menschen
(oder Wesen), die sie am Ende des Buches sein sollen.
Die Widersprüche:
Dieser Punkt geht Hand in Hand mit
allen vorherigen. Sowohl die Charaktereigenschaften als auch die
Vergangenheit und die Ziele einer Person überschneiden sich
durchgehend. So entstehen Widersprüche, mit denen der Charakter
umzugehen hat. Das führt oft dazu, dass man sich so verhält, wie es
für einen eigentlich untypisch ist. Aber auch das macht einen
Menschen aus. Bestimmte Auslöser führen dazu, dass man scheinbar
unlogisch handelt. Doch es sind gerade die Überraschungen, die uns
alle so interessant machen. Und eine Figur büßt nicht an
Authentizität ein, wenn man nachvollziehen kann, warum sie sich so
verhält.
Zusammenfassend kann man also sagen:
Solange der Autor seine Figuren dreidimensional aufbaut, ihnen
prägende Hintergründe sowie Ziele gibt und ihr Verhalten
ausreichend erklärt, machen sie auf den Leser einen glaubhaften
Eindruck.

Nun könnt ihr anhand der oben genannten Punkte das Selbstexperiment machen: Passen eure Charaktere in das Schema? Teilt uns gerne eure Erfahrungen mit 😉


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