Überarbeiten?! Korrigieren?! – Die Rohfassung polieren

Veröffentlicht von Francis Behrend am

Die Rohfassung ist fertig, seid ihr bereit für die zweite Runde? Ein Manuskript ist niemals fertig, man findet immer Aspekte, die man noch ändern möchte, aber die Rohfassung ist der erste riesige Meilenstein. Jetzt kann das, was man geschrieben hat, als erstes Ganzes betrachtet werden – und es beginnt eine Zeit der Überarbeitung.

Wie gehe ich bei der Überarbeitung vor?

Ist das Schreiben der Rohfassung für die meisten Autor_innen ein klarer Prozess, ist die Überarbeitung eine neue Herausforderung, bei der man gegebenenfalls sein Vorgehen anpassen muss. Schreibt man linear, überarbeitet man vielleicht lieber diskontinuierlich. Manche Autor_innen arbeiten sich vom Ende zum Anfang, andere lesen ihre Rohfassung chronologisch und überarbeiten währenddessen. Es gibt keine richtige Vorgehensweise für die Überarbeitung. Dennoch gibt es Tipps, die man befolgen kann, um möglichst effektiv bei der Überarbeitung vorzugehen – und ein paar Möglichkeiten möchte ich euch hier vorstellen, bevor wir uns den Aspekten „Testlesen“ und „Korrigieren“ widmen.

5 Tipps für die Überarbeitung

  1. Lies deine Rohfassung einmal durch, ohne irgendetwas zu ändern, und notiere, was dir auffällt – und schreibe dir, falls du Pantser bist, deinen Plot in Stichpunkten auf, um die grobe Entwicklung am Ende nachvollziehen zu können. Auch wenn deine Geschichte keiner gängigen Plotstruktur folgt, sollte der Fokus der Überarbeitung auf dem Plot liegen. Rechtschreib-, Grammatik- und Zeichensetzungsfehler können und sollten natürlich bei diesem Durchgang bereits korrigiert werden, wenn sie dir auffallen.
  2. Erstelle dir eine Checkliste. Dabei helfen einerseits deine Notizen aus der ersten Sichtung und andererseits können Checklisten aus dem Internet helfen. Es gibt unzählige solcher Checklisten und es kann nicht schaden, diese durchzugehen und die Schritte, die einem sinnvoll erscheinen, aufzunehmen. Besonders hilfreich ist beispielsweise diese englische Aufzählung der Überarbeitungsschritte durch die NYBookeditors.
  3. Überarbeite von den „großen“ Aspekten zu den „kleinen“, soll heißen: Wenn du Änderungen am Plot vornehmen möchtest, solltest du dies vor dem Line-Editing einschieben. Es muss nicht direkt perfekt sein, es sollte vor allem in Gänze stehen. Sätze polieren kannst du später noch, der Plot und die Konflikte sollten im Vordergrund stehen.
  4. Line-Editing, oder auch: Poliere deinen Text, so gut es dir möglich ist. Niemand ist perfekt und niemand erwartet bei der Überarbeitung Perfektion. Aber versuche dein Bestes. Petra Schier hat für die Polierung des Tests eine Checkliste zusammengestellt, mit der man als Autor_in arbeiten kann.
  5. Hole dir Feedback – von Testleser_innen und Lektor_innen. Es gibt unzählige Menschen, die dir bei der Überarbeitung deines Manuskripts zur Seite stehen. Je eher du mit der Zusammenarbeit beginnst, desto eher kannst du von dem Feedback lernen. Familie und Freunde können dir natürlich weiterhelfen, aber ich rate dir, dich in einer Writing Buddy Gruppe zu engagieren, dir Schreibpartner zu suchen oder Testleser_innen. Es gibt nicht nur im Forum unzählige Möglichkeiten, jemanden zu finden, der deinen Bedürfnissen als Autor_in gerecht wird. Wenn du dein bestmögliches Produkt fertiggestellt hast, gib es Testleser_innen und berücksichtige ihr Feedback.

Finde den Weg – zum fertigen Manuskript!

Wie immer gilt aber: Jeder findet seinen eigenen Weg – und diese Tipps sind letztlich eben nur genau das: Vorschläge, wie man die Überarbeitung beginnen kann. Ich wünsche euch viel Erfolg!

Überarbeitet ihr gerade ein Manuskript? Habt ihr Tipps für die Überarbeitung? Ich freue mich über Tipps, Tricks und Erfahrungsberichte in den Kommentaren.

P.S. Zum Umgang mit Testleser_innen folgt demnächst ein weiterer Magazin-Beitrag. Haltet die Augen offen!


Francis Behrend

Francis Behrend ist eine Autorin und Leserin aus dem Bergischen Land. Seit ihre beste Freundin sie durch Fanfictions in die Welt der eigenen geschriebenen Worte eingeweiht hat, schreibt sie an eigenen Geschichten. Während ihres Geschichts- und Philosophiestudiums kam sie meist nicht dazu, in fantastische und romantische Plots einzutauchen, aber danach stürzte sie sich in ihre Manuskripte. Seit 2017 macht Francis als „Buchbummelant“ sowohl Twitter als auch die Schreibnacht unsicher, und seit 2019 schreibt und lektoriert sie regelmäßig für das Schreibnacht-Magazin.

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