Das Manuskript ist fertig!? – Die Zeit nach der Rohfassung

Veröffentlicht von Francis Behrend am

Eine Rohfassung zu schreiben, verlangt viel Durchhaltevermögen. Wenn du es geschafft hast: Herzlichen Glückwunsch zur abgeschlossenen Rohfassung! Wenn du noch dabei bist: durchhalten! Es lohnt sich! Falls du Tipps brauchst, es gab in den letzten Monaten einige Beiträge zum Schreiben des Anfangs, der Mitte, des Endes und einigen anderen Etappen auf dem Weg zum fertigen Manuskript. Du stehst erst am Anfang einer Idee? Auch Tipps, wie man einen Plot aus einer Idee entwickelt oder Möglichkeiten, Inspiration im Alltag zu suchen, findest du im Magazin! Aber widmen wir uns dem Punkt, den alle Autor_innen erreichen wollen: „Ende“ unter das Manuskript zu schreiben und allen Zweiflern sagen zu können: „Ich bin fertig!“

Party, Party, Party!

Zieh den Partyhut an, lass die Korken knallen und dich ordentlich feiern. DU HAST EINE GESCHICHTE GESCHRIEBEN! All die Tränen, die durchgemachten Nächte, die Sehnenscheidenentzündungen waren es wert, denn das Ding ist fertig. Du hast die Schreibblockaden und das weiße Blatt besiegt! Niemand kann dir diese Errungenschaft nehmen, diesen Meilenstein des Autor_innenlebens – besonders nicht, wenn es deine erste fertige Rohfassung ist. Jede Rohfassung verdient ihren Applaus, ihr Schulterklopfen, ihr ganz persönliches „Gut gemacht!“ und was gibt es Schöneres, als sich für solche Erfolgsmeldungen feiern zu lassen? Teile deinen Erfolg – mit anderen, online und offline, und genieße den Moment, das High.

Tief durchatmen – und eine Pause einlegen!

Eine Rohfassung zu schreiben, kostet viel Kraft und jetzt ist es an der Zeit, die Füße auszustrecken, den Stift oder die Tastatur wegzuschieben und eine Pause einzulegen. Niemand ist in der Lage, konstant 100% zu leisten, und jeder Mensch braucht Verschnaufpausen. Die Zeit nach der Fertigstellung einer Rohfassung eignet sich besonders dafür, die Anspannung loszuwerden und die leeren Tanks aufzuladen. Geh an die frische Luft, triff dich mit Freund_innen, lies ein gutes Buch. Es gibt so viele Möglichkeiten, um Abstand zu gewinnen. Nutze sie!

Du und deine Rohfassung … und die Überarbeitung?

Du bist nicht überzeugt davon und du willst gleich weitermachen? Das ist natürlich auch eine Möglichkeit. Gerade wenn du direkt weißt, wo du noch Verbesserungen vornehmen kannst, ist es manchmal sinnvoll, diese Punkte gleich anzugehen. Manchmal fehlt hier noch eine Szene, da noch ein Satz, hier noch etwas Hintergrund. Viele Autor_innen plädieren dafür, die systematische Überarbeitung des Manuskripts erst zu beginnen, wenn man etwas Abstand gewonnen hat. Kleine Veränderungen kann man immer vornehmen, aber irgendwann sollte man die Rohfassung abschließen – und um emotional mit einer gerade geschriebenen Geschichte abzuschließen, um sie dann in der Überarbeitung zu verbessern, ist es sinnvoll, sich Zeit zu nehmen. Wie immer gilt aber: Was für die einen Autor_innen funktioniert, funktioniert für die anderen nicht. Manchmal hat man eine Deadline, manchmal gehört es zur eigenen Methode, direkt die Überarbeitung zu starten, sie vielleicht sogar unsystematisch vorzunehmen. Und all das ist okay. Es gibt keinen Weg, den alle Autor_innen einschlagen sollten.

Während der Zeit, in der du die Geschichte liegen lässt, kannst du dich weiterentwickeln und die Figuren, die Handlung und die Hintergründe der Geschichte loslassen. Während des Schreibens stecke ich in den Köpfen meiner Protagonist_innen, erlebte die Handlung mit ihnen. Aber für die Überarbeitung muss ich zu einer Außenstehenden werden, objektiv sein, darf die Handlung und die Figuren nur noch betrachten, aber nicht mehr unter ihre Haut schlüpfen – und genau das ist ein wesentlicher Schritt, um sich von der Rohfassung zu lösen. Da die wenigsten Autor_innen dazu in der Lage sind (denn seien wir ehrlich, die Geschichten sind unsere „Babys“), ist es sinnvoll, an dieser Stelle Testleser_innen zu beauftragen, das eigene Manuskript zu lesen. Es gibt unzählige Möglichkeiten, Testleser_innen zu finden – suche dir welche, um zu erfahren, wie deine Geschichte wirkt.

Nach dem Manuskript ist vor dem Manuskript

Ein Manuskript ist beendet, die Rohfassung pausiert. Wenn du noch nicht bereit für die Überarbeitung bist oder auf das Feedback von Testleser_innen wartest, kannst du dich dem nächsten Projekt widmen – denn die nächste Idee und die nächste Rohfassung warten schon auf dich! Ich wünsche dir viel Spaß beim Schreiben!

Hast du eine Rohfassung fertiggestellt? Wie hast du dich gefühlt? Was hast du gemacht, nachdem du das berühmte „Ende“ unter die Geschichte geschrieben hast? Hast du Tipps für andere? Teile sie gerne mit uns in den Kommentaren!


Francis Behrend

Francis Behrend ist eine Autorin und Leserin aus dem Bergischen Land. Seit ihre beste Freundin sie durch Fanfictions in die Welt der eigenen geschriebenen Worte eingeweiht hat, schreibt sie an eigenen Geschichten. Während ihres Geschichts- und Philosophiestudiums kam sie meist nicht dazu, in fantastische und romantische Plots einzutauchen, aber danach stürzte sie sich in ihre Manuskripte. Seit 2017 macht Francis als „Buchbummelant“ sowohl Twitter als auch die Schreibnacht unsicher, und seit 2019 schreibt und lektoriert sie regelmäßig für das Schreibnacht-Magazin.

1 Kommentar

Überarbeiten?! Korrigieren?! – Die Rohfassung polieren – Schreibnacht-Magazin · 19. Dezember 2019 um 20:52

[…] Rohfassung ist fertig, seid ihr bereit für die zweite Runde? Ein Manuskript ist niemals fertig, man findet immer […]

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