Den Anfang finden

Veröffentlicht von Lina Vindur am

Anfänge. Das Aufraffen. Den Schweinehund überwinden und damit über zu Grunde liegende Ängste springen.

Das Anfangen mit dem Schreiben fordert genau soviel von uns wie das Anfangen (regelmäßigen) Sport zu machen, öfter die Familie anzurufen, endlich die Steuer zu machen und und und. Etwas zu beginnen ist immer mit einem Schritt aus der Komfortzone verbunden und macht uns damit Angst.

Diese Angst vor dem Unbekannten (eben außerhalb der Komfortzone) müssen auch unsere Protagonisten überwinden, um sich entwickeln zu können und eine Geschichte zu einer Geschichte zu machen. Wenn wir daraus Rückschlüsse auf uns als Autoren ziehen, sollten wir uns fragen, welche Angst uns vom Schreiben abhält.
Die Antworten sind ebenso vielfältig wie die Lösungen individuell sind. Aber es lohnt sich mit dieser Frage zu beginnen, wenn man sich immer wieder beim prokrastinieren erwischt und die Schwelle „einfach anzufangen“ nicht überwinden kann.

Es gibt also nicht DIE Patentlösung, um den Kampf mit der weißen Seite ein für alle mal zu beenden. Aber hat man einmal die Innenarbeit getan und ist sich seiner Ängste und Prioritäten bewusst, kann man aus einer großen Trickkiste schöpfen, um das Anfangen zu erleichtern. Denn auch jeder neue Schreibtag bringt diese tägliche Herausforderung mit sich. Bis sich beim Schreiben eine Regelmäßigkeit einstellt, die es uns von selbst erleichtert anzufangen.

Hier einige meiner Favoriten, die helfen das tägliche Anfangen zu erleichtern:

Realistische Ziele

Setzt euch realistische Ziele, egal ob gerade jetzt im NaNoWriMo oder generell bei Schreibprojekten. So vermeidet ihr Überforderung und setzt euch nicht zu sehr unter Druck. Denn je höher der Druck ist, desto lauter ist meistens der innere Kritiker. Schaut in euren Kalender, streicht Tage, an denen ihr viele Termine habt, überlegt euch vorher, zu welcher Tageszeit ihr schreiben könnt. So habt ihr ein besseres Gefühl für die tatsächliche Schreibzeit und die innere Hektik lässt nach.

Erlebt etwas und vernetzt euch

Tauscht euch mit anderen Autoren aus, nutzt die Möglichkeit des Schreibnachtforums und der Writing Buddies, sucht nach einem Treffen in eurer Stadt, lauscht ein wenig den Erfahrungen anderer. Den Kampf des Anfangens führen alle und das Gefühl nicht alleine zu sein, kann sehr motivierend sein, den Sprung ins Kalte Wasser zu wagen.

Mindestens genauso wichtig ist es, aus dem Haus zu gehen. Erlebt etwas. Das Leben passiert nicht am Schreibtisch und für unsere Kreativität brauchen wir Bewegung und Inspiration, die wir außerhalb unserer vier Wände finden.

Pomodoro und Forrest

Von der Pomodoro-Technik haben vermutlich die Meisten bereits gehört: Stelle einen Timer auf 25 Minuten und konzentriere dich währenddessen nur auf dein Schreiben. Nach anschließenden 5 Minuten Pause wiederholst du das Ganze.
Für mich persönlich sind diese 25 Minuten im Kampf gegen die weiße Seite zu viel, also setze ich sie herunter auf 10-15 Minuten. Mit der Option im Kopf, diese paar Wörter notfalls wieder zu löschen, lässt sich tatsächlich gut anfangen. Spielt hier mit der Zeit und testet aus, welches Zeitfenster euch besonders motiviert.

Wer es noch ein wenig weiter treiben möchte, dem kann ich die App “Forrest” empfehlen. Während ihr konzentriert arbeitet, pflanzt ihr Bäume für euren eigenen digitalen Wald und könnt sogar dabei unterstützen, echte Bäume für unseren Planeten zu pflanzen. Die sofortige Belohnung in Form eines Bäumchens auf eurem Bildschirm, kann schnell eine Positiv-Spirale der Motivation auslösen. (So ist im Übrigen auch dieser Artikel entstanden.)

Moodboard

Bringt euch in Stimmung, indem ihr Teile eurer Geschichte greifbarer macht. Moodboards gibt es in vielfältiger Art: Ausschnitte, Bilder, Notizen auf einer Pinnwand oder einem Whiteboard. Eine Playlist mit inspirierenden Songs zu eurer Geschichte oder den Figuren. Ein Pinterest-Board mit Figuren, Gegenständen, Orten. Gerüche, die zu eurer Geschichte passen, z.B. der Geruch nach Brötchen bei Bäckerei-Szenen, Lavendelduft für einen Roman aus der Provence, das Lieblingsparfüm der Protagonistin usw.
In einem Moodboard könnt ihr alle Sinne ansprechen und nach Belieben kombinieren, bis der zündende Funke kommt, der euch dazu bringt, all das, was ihr im Kopf habt, auch aufzuschreiben. Glückwunsch, ihr habt euch selbst ausgetrickst und in Schreibstimmung gebracht.

Automatisches Schreiben

Schreibt euch warm und zwar mit dem, was gerade in eurem Kopf ist, egal ob es zu eurer Geschichte gehört oder nicht. Manchmal muss man der Inspiration auch die Möglichkeit geben, einen zu finden, indem man sich mit dem Prozess des Schreibens beschäftigt, es also “einfach durchzieht”. Und wenn euch nichts einfällt oder ihr Angst vor einem schlechten Text habt, dann schreibt genau das! Ihr erlaubt es euch, damit euer Problem bewusst wahrzunehmen und im besten Falle loszulassen. Wenn ein paar Wörter bereits auf dem Papier stehen, fällt das Anfangen gleich leichter. Und den Rest, der nicht zur Geschichte gehört, könnt ihr einfach wieder löschen.

Wie ist es bei euch, fällt es euch schwer, den Anfang zu finden? Habt ihr den Geheimtipp, mit dem es jedes mal bei euch klappt? Teilt gerne eure Erfahrungen in den Kommentaren und im Forum.


2 Kommentare

In der Mitte durchhalten – Schreibnacht-Magazin · 14. November 2019 um 18:02

[…] zunächst zur Motivation. Wie du mit dem Autorenleben und dem Schreiben beginnst, hat Lina letzte Woche bereits berichtet. Wenn du dich in eine Krise befördert hast, helfen dir […]

Das Manuskript ist fertig!? – Die Zeit nach der Rohfassung – Schreibnacht-Magazin · 5. Dezember 2019 um 18:03

[…] sich! Falls du Tipps brauchst, es gab in den letzten Monaten einige Beiträge zum Schreiben des Anfangs, der Mitte, des Endes und einigen anderen Etappen auf dem Weg zum fertigen Manuskript. Du stehst […]

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