In der Mitte durchhalten

Veröffentlicht von Cassiopeia Casteels am

Am Anfang steht die Motivation und am Ende die Freude über das Erreichen des Ziels. Aber was ist dazwischen? Viele Autor*innen klagen darüber, dass sie in der Mitte nicht mehr wissen, was noch passieren soll, oder dass die Motivation sie verlassen hat. Beides versuche ich, im Folgenden aufzugreifen und dabei auf die gängigen Plot-Strukturen einzugehen. Denn auch wenn du nicht plottest, solltest du dich beim Schreiben entweder an die Struktur halten oder sie so gut kennen, dass du diese Regel brechen kannst.

Die Motivation ist verschwunden

Aber zunächst zur Motivation. Wie du mit dem Autorenleben und dem Schreiben beginnst, hat Lina letzte Woche bereits berichtet. Wenn du dich in eine Krise befördert hast, helfen dir vielleicht diese Tipps gegen Schreibblockaden.

Wenn du dich im Mittelteil befindest, bedeutet das, dass du im besten Fall schon einen guten Anfang hast. Dass die Motivation flöten gegangen ist, könnte aber auch daran liegen, dass der Fehler schon im Anfang steckt.  Schau dir den Anfang nochmal genau an, ob alles passt.

Wenn du einen theoretisch tollen Anfang hast, aber trotzdem keine Lust hast, weiter zu schreiben, schau dir deine Idee und deinen Plot nochmal genau an. Ist es die Geschichte, die du erzählen willst? Passen deine Figuren in diese Geschichte oder verhalten sie sich unlogisch, um den Plot zu erfüllen? Vielleicht kannst du deine Figuren auch einfach nicht leiden und hast deswegen keine Lust, ihre Geschichte weiter zu schreiben? Wenn es nicht die Geschichte ist, die du erzählen willst, ergibt es keinen Sinn, dich durchzubeißen. Viel eher solltest du schauen, warum es nicht mehr die Geschichte ist, die unbedingt geschrieben werden wollte. Hast du zu viel verändert? Haben deine Figuren ein Eigenleben entwickelt und den Plot in eine andere Richtung gesteuert? Um diese Fragen zu beantworten, solltest du ein oder zwei Tage Abstand nehmen und dann entscheiden, ob du wieder zu der Geschichte, die du erzählen wolltest, zurückkehren kannst. Wenn deine Figuren nicht mehr natürlich wirken, versuch es nicht mit der Brechstange. Denk nochmal über den Plot nach und pass eines von beidem an. Es gibt keinen Königsweg und kein so oder so musst du es machen. Am Ende muss es vor allem für dich funktionieren. Selbiges gilt für deine Beziehung zu den Figuren – du musst sie nicht mögen, solange es noch deine Geschichte ist. Wenn das aber für dich partout nicht funktioniert, schau, ob in deinen Plot auch Figuren passen würden, die du mehr magst. Aber pass auf, dass du hierbei nichts verbiegst.

Möglicherweise denkst du dir gerade, es wäre besser, jetzt eine andere Geschichte zu schreiben. Wenn du deine aktuelle Geschichte trotzdem liebst, denkst du eventuell daran, sie irgendwann zu schreiben. Aber, um aus einem meiner Lieblingslieder zu zitieren: „Irgendwann ist irgendwie / Ein anderes Wort für nie“ (Kettcar: Benzin und Kartoffelchips). Viele Autor*innen stecken eine angefangene Geschichte in eine Schublade und vergessen sie dort.

Was muss in der Mitte eigentlich passieren?

Der andere Fall: du hast immer noch Spaß an deiner Geschichte, du hast einen tollen Anfang geschrieben, aber was kommt jetzt? Das kommt ein bisschen auf die von dir gewählte Struktur an:

Die 3-Akt-Struktur

vereinfachte Darstellung der 3-Akt-Struktur
Quelle: eigene Darstellung

Der einfachste Aufbau ist die 3-Akt-Struktur. Anfang – Mitte – Ende. In der Mitte erfolgt die Konfrontation, weshalb dieser Teil bei der 3-Akt-Struktur am längsten sein sollte. Spätestens jetzt sollten Leser*innen alle Figuren, die Welt und den grundlegenden Konflikt kennen. Am Mittelpunkt sollte dein*e Held*in der Lösung des Konflikts durch ein besonderes (externes) Ereignis näherkommen. Allerdings musst du aufpassen, dass die Lösung noch nicht zu leicht ist – sonst wird dein 3. und letzter Akt überflüssig.

Die 5-Akt-Struktur

vereinfachte Darstellung der 5-Akt-Struktur
Quelle: eigene Darstellung

Du hast die Leser*innen in die Welt deiner Geschichte eingeführt, alle wichtigen Figuren vorgestellt und die Prämisse mindestens angedeutet. Je nachdem, wie weit du schon bist, hast du schon begonnen, den Konflikt zuzuspitzen oder bist mit dem 1. Wendepunkt sogar schon fertig. Was nun folgen sollte, ist der 3. Akt mit dem Mittelpunkt. Die Geschichte schlägt eine andere Richtung ein und das bedeutet: Drama, Baby! Lass deine*n Held*in leiden. Mach es ihm richtig schwer, aber optimalerweise so, dass immer noch ein Licht am Ende des Tunnels zu sein scheint. An dieser Stelle sollte die Spannung immer noch steigen. Achte darauf, dass du mit deinem Mittelpunkt unweigerlich auf den folgenden Wendepunkt, an dem es für deine*n Held*in richtig eng wird, zusteuert. Die 5-Akt-Struktur könntest du übrigens noch aus dem Deutsch-Unterricht kennen – auf ihr basieren schon seit Jahrtausenden klassische Dramen.

Die 7-Akt-Struktur

vereinfachte Darstellung der 7-Akt-Struktur
Quelle: eigene Darstellung

Die 7-Akt-Struktur, häufig auch als 7-Punkt-Struktur bezeichnet, ist meine persönliche Lieblingsstruktur. Zurück geht sie übrigens auf Dan Wells. An der Geschichte sollte sich durch die Wahl deiner Struktur nicht viel ändern, aber diese liefert dir mehr Informationen, was genau passieren soll. Du solltest auch hier bereits die Leser*innen in die Geschichte eingeführt und den Konflikt angedeutet haben. Jetzt muss etwas passieren, dass die Situation für deine*n Held*in verschlechtert, sodass er im nächsten Punkt dazu gezwungen wird, endlich aktiv zu werden und zu versuchen, das Problem zu lösen. Dennoch darf das Problem an dieser Stelle noch nicht gelöst werden. Auch hier heißt es also: Drama, Drama noch mehr Drama! Denn es folgt ein zweiter Kniff, der die Situation noch weiter verschlechtert, sodass alles ausweglos scheint.

Zusammengefasst heißt das …

Unabhängig von der Struktur musst du in der Mitte die Handlung ordentlich in Schwung bringen und deine*n Held*in mit ganz viel Drama leiden lassen. Wenn du dich dadurch gerade etwas überfordert fühlst, überleg dir immer wieder, was das Schlimmste ist, was in der aktuellen Situation passieren kann.

Ich hoffe, mit diesen Tipps schaffst du es, auch den beängstigenden Mittelteil zu schaffen und kommentiere gerne, wie du den Mittelteil angehst oder ob dir diese Tipps geholfen haben.  


Cassiopeia Casteels

Unter dem Pseudonym Cassiopeia Casteels ist die 1999 geborene Autorin unter anderem in der Schreibnacht und auf Twitter unterwegs. Wenn sie sich nicht gerade ihren Liebes- und Jugendromanen widmet, studiert sie in ihrer Wahlheimat Bamberg Kommunikationswissenschaft und Politik. Seit Anfang 2019 ist sie zudem als Redakteurin für das Schreibnacht-Magazin aktiv.

1 Kommentar

Michael · 16. November 2019 um 23:00

Was du schreibst, hat Hand und Fuß. Das merke ich bei meiner laufenden Geschichte. Dazu muss ich sagen, dass ich kein Plotter bin. Auch keiner , der (vorrangig) Rätsel in seinen Geschichten löst. Dazu müsste ich plotten und die Charaktere den Rätseln unterwerfen. Bei mir entwickeln sich die Figuren, werden vom distanzierten „irgendwer“ zum sympathischen Bekannten (oder Freund?). Natürlich nicht der/die Bösewicht/er.
Ich hänge leider auch fest. Mein Prota kommt schon am Boden liegend in die Geschichte. Jetzt noch eins oben drauf?
Ich werde mal die oben vorgestellte 7-Akt-Konstellation testen. Danke für die guten Tipps!
LG
Micha
PS: man schreibt sich wieder in der @schreibnacht 🙂

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